Deep Dive #6

The Buzzard | Deep Dive #6: Vor Stichwahl in Frankreich

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Ist die Wahl zwischen Macron und Le Pen eine Abstimmung über die EU?

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Liebe TheBuzzard-Community,

willkommen zum 6. Topic Deep Dive! Wie immer freuen wir uns sehr über euer Feedback, um unser journalistisches Angebot so gut wie möglich zu verbessern.

Klar, ich gebe gerne Feedback!

Am Sonntag, den 7. Mai, sind die Franzosen aufgerufen über ihren neuen Präsidenten abzustimmen. Oder besser gesagt: ihren Präsident oder ihre Präsidentin. Denn das ist ein Novum: Zum ersten Mal ist neben einem männlichen Kandidaten, dem ehemaligen Wirtschaftsminister und parteiunabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron, auch eine Frau in die Stichwahl bei den Französischen Präsidentschaftswahlen eingezogen: die Vorsitzende des rechten Front National: Marine Le Pen.

Viele Franzosen sehen in der Entscheidung für Macron oder Le Pen hauptsächlich eine Abstimmung über die Europäische Union: Sind die Mehrzahl der Franzosen pro-europäisch, macht Macron das Rennen und der Status Quo bleibt weithin erhalten; wollen sie einen „Frexit“ oder raus aus dem Euro, müssen sie Le Pen wählen, die als entschiedene EU-Gegnerin einen Austritt aus dem Euro fordert und für ein Referendum über den „Frexit“ eintritt.

Doch ist diese Sichtweise nicht zu einfach? Ist die Wahl nicht komplexer und vielen Franzosen geht es um ganz andere Themen? Wie zum Beispiel die hohe Arbeitslosigkeit, die schwächelnde Wirtschaft, innere Sicherheit und die große Frage nach der französischen Identität?

In diesem Buzzard Deep Dive fliegt ihr zu neue Perspektiven aus beiden Lagern. Während die Stimmen aus dem einen Lager sagen, dass es hier hauptsächlich um die EU geht, bestreiten das die Stimmen der Gegenseite. Sie sagen es geht hier nicht um Europa, sondern ganz eindeutig um Probleme, mit denen Frankreich allein zu kämpfen hat. Außerdem zeigen wir euch Zusatzperspektiven: Was spricht für und gegen die beiden Kandidaten selbst!

Gutes Eintauchen wünschen,

Felix, Dario und Olga

Deep Dive #6: Vor Stichwahl in Frankreich

Ist die Wahl zwischen Macron und Le Pen eine Abstimmung über die EU?

Ja!

Nein!

Als Zusatzperspektiven

Zu Emannuel Macron:

1. Macron wird als Realist und Europäer Frankreich gut tun

2. Macron ist ein neoliberaler Vertreter des globalen Bankensystems

Zu Marine Le Pen:

1. Marine Le Pen nimmt die Ängste der Franzosen ernst

2. Marine Le Pen versucht auf subtile Weise ihren Front National zu entdomänisieren

Gebt mir mehr Hintergrundwissen zur Debatte!

 

#Ja, die Wahl ist eine Abstimmung über die EU
#1: Die Franzosen wehren sich gegen ein Europa, das nicht zuhört
Deep Dive #6

Foto: taken by Thomon Published under CC BY 4.0 Share Alike on Wikimedia.

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Für Chantal Delsol sind viele zeitgemäße Analysen der französischen Präsidentschaftswahl nur ein Kratzen an der Oberfläche. Klar redeten die Kandidaten von Strukturreformen, von „echtem Sozialismus“ von einem Frankreich mit weniger Moscheen. Aber eben nur an der Oberfläche. Im Kern seien die Franzosen beunruhigt, weil ihnen nicht zugehört werde und ihre echten Sorgen nicht ernst genommen werden, weder in Brüssel noch in Paris.

Der Grund dafür liegt laut der französischen Historikerin und Philosophin nach darin, dass das institutionelle Europa ein inhärent antidemokratisches Verhalten an den Tag lege: Der mediale Konsens für Europa nehme hysterische Züge an; die Eliten verhandelten im Geheimen, stellten sich keinen öffentlichen Diskussionen, präsentierten keine Alternativen; und man höre dem Volk in Europa nicht mehr zu. Deshalb verstehe man in Brüssel nicht, dass das Problem der steigenden Europaskepsis nicht nur mit mehr Geld zu lösen sei – und es sich eben nicht in erster Linie nur um materielles Wohlbefinden drehe. Sondern, um das Gefühl der Bürger Autonomie zu haben. Und so lange eine bürokratische Elite oberhalb des Volkes regiere, werde die Kluft nur größer, zwischen all jenen die kosmopolitisch eine verstärkte europäische Integration predigen und denen, die weg wollen von einer technokratisch regierten EU.

Auch wenn Delsol vielleicht etwas zu vereinfachend die französische Gesellschaft in bloß zwei Gruppen aufteilt (pro-europäische Eliten versus das Volk), ist er äußerst lesenswert. Er macht uns auf die großen Zusammenhänge aufmerksam, die im Kleinklein der tagesaktuellen Berichterstattung oft untergehen.

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(Quelle: ZEIT online | Sprache: Deutsch | Lesedauer: 5 Minuten)

Wer steckt dahinter?

 

Deep Dive #6

Name: Chantal Delsol

Kommt aus: Frankreich

Politische Position:  offiziell unparteiisch, vertritt Positionen des Liberalismus und ist Anhängerin eines föderal gegliederten Europa

Arbeitet für/als: Historikerin, Philosophin, Schriftstellerin und Professorin an der Universität Marne-la-Vallée

 

Was ihr noch wissen solltet: Chantal Delsol beschäftigt sich vor allem mit den Ursprüngen populistischer Politik. 2006 stellte sie sich wie einige andere französische Intellektuelle demonstrativ hinter Robert Redekers Islam-Kritik.

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 #2 Die Präsidentschaftswahlen entscheiden über Europas Zukunft
Deep Dive #6

Foto: taken bMediamodifier Published under CC0 1.0 Share Alike on Pixabay

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Für den Blogger mit dem Acronym Tyler Durdon besteht kein Zweifel: Mit Frankreich steht oder fällt Europa. Manche Kommentatoren sprechen derzeit von einem „Europäischen Frühling“ – weil Rutte in den Niederlanden gegen Geert Wilders gewonnen hat und in Schottland womöglich bald gegen den Brexit gestimmt wird. Aber Tyler Durdon glaubt das nicht. Ob ein Europäischer Frühling kommt oder ob es aus ist mit dem Europa, das wir kennen, das werde sich jetzt entscheiden: in der Stichwahl zwischen den Kandidaten Le Pen und Macron.

Durdon bringt zwei zentrale Argumente: Erstens habe Le Pen im Vergleich zu anderen Populisten wie Geert Wilders in den Niederlanden viel bessere Chancen die Wahl zu gewinnen. Zweitens ist Frankreich seit jeher Motor der Europäischen Integration.  Ohne Frankreich werde ein weiteres Voranbringen des Europäischen Projektes unmöglich. Frankreich sei für die EU um ein Vielfaches wichtiger als die Niederlande oder Großbritannien. Und Le Pen liege zwar in Umfragen hinten, doch ein neuer Terroranschlag oder eine neue Immigrationsdebatte könne das Blatt sehr schnell wenden…

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(Quelle: Zero Hedge | Sprache: Englisch | Lesedauer: 7 Minuten)

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Deep Dive #6

Name: Tyler Durden (Alle Berichte auf der Seite Zero Hedge sind unter dem Name Tyler Durden gepostet – welche Blogger tatsächlich dahinter stecken ist unklar. Im April 2016 wurden von Bloomberg News als Autoren der Webseite neben Daniel Ivandjiiski, Tim Backshall und Colin Lokey identifiziert).

Kommt aus: USA

Politische Position:  wechselnd mit anonymen Autoren

Arbeitet für/als: Blog Zero Hedge

Was ihr noch wissen solltet: Das Autorenkollektiv störe es nicht, dass andere Leute über sie Verschwörungstheorien entwickeln, weil sie ihre wahre Identität nicht preisgeben. “Wir waren niemals in Kontakt mit irgendjemandem in Russland, in den USA oder in einer anderen Regierung. Wir haben auch keinen Dollar von Fremdfinanzierung von öffentlichen oder privaten Organisationen akzeptiert”.

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#3 Die EU ist noch lange nicht gerettet, nur weil Macron Präsident wird
Deep Dive #6

Foto: taken by ZeroTwoZero Published under CC BY 2.0 Share Alike on Wikimedia.

Von allen Seiten prasseln Glückwünsche von europäischen Spitzenpolitikern auf ihn ein. Siegessicher und zuversichtlich zeigen sie sich allesamt, von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Außenbeauftragte Federica Mogherini bis zum Pressesprecher der Deutschen Bundesregierung Steffen Seibert: Dass er, der ausdrücklich pro-europäische Kandidat Emmanuel  Macron, die französischen Präsidentschaftswahlen gewinnen wird und den Irrfahrten in die Tiefen des Rechtspopulismus ein Ende bereitet. Doch genau diese Freude über den erwarteten Sieg des Kandidaten Macron, so der griechische Journalist Nick Malkoutzis, komme deutlich verfrüht.

Der Grund: Erstens sei die Wahl noch nicht entschieden: Marine Le Pen könne trotz der guten Aussichten für Macron immer noch Präsidentin werden. Insbesondere, wenn eine große Menge linker Wähler sich entschließe, sich zu enthalten. Und zweitens zeigt das die mangelnde Bereitschaft der EU, sich mit ihren Problemen und den Positionen der Kritiker ernsthaft auseinanderzusetzen. Genau deshalb müsse man sich aber schon heute um die nächsten Wahlen in fünf Jahren sorgen. Denn, wenn EU-Skepsis, Zuwanderung und innere Sicherheit weiterhin als Themen relevant bleiben und die EU sich nicht grundsätzlich verändert, wird der Front National unter Le Pen wahrscheinlich nur noch gefährlicher für etablierte Parteien.

Den jetzt schon großen Erfolg des anti-europäisch eingestellten Front National in Frankreich zu unterschätzen, wäre daher ein Fehler. Malkoutzis argumentiert: “Diese Voreiligkeit ist symptomatisch für die Neigung Europas, die auffälligen Siege in den Himmel zu loben und die scheinbar kleineren Niederlagen zu ignorieren. Dabei haben gerade letztere einen zerstörerischen Effekt auf das europäische Projekt.“

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(Quelle: Macropolis | Sprache: Englisch | Lesedauer: 10 Minuten)

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Deep Dive #6

Name: Nick Malkoutzis

Kommt aus: Griechenland

Politische Position: offiziell unparteiisch

Arbeitet für/als: Redakteur der Webseite MacroPolis (Wirtschafts- und Politikanalyse), arbeitete u.a. mit Bloomberg Businessweek, Die Zeit und The Guardian.

Was ihr noch wissen solltet: 12 Jahre lang hat Malkoutzis als Redakteur der griechischen Zeitung Kathimerini gearbeitet, die als liberal-konservative Zeitung traditionell der konservativen Nea Dimokratia nahe steht.

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#Nein, es geht um ganz andere Fragen als nur die EU

#1 Für einen Großteil der Franzosen ist der Arbeitsmarkt das wichtigste Thema
Deep Dive #6

Foto: taken by neetalparekh Published under CC BY 2.0 Share Alike on Flickr.

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Sylvia Schmidt und Dr. Christian Bluth spekulieren nicht gerne. Zumindest nicht in diesem Beitrag für den GED Blog. Um zu belegen, wie zentral das Thema soziale Sicherheit und Arbeitsmarkt in den französischen Präsidentschaftswahlen sind, legen sie Zahlen vor: 49 Prozent aller Franzosen sagen im jüngsten Eurobarometer, dass Arbeitslosigkeit ihre größte Sorge ist, erst danach kommen Terrorismus (31 Prozent) und Immigration (19 Prozent). Die Sorge, die EU sei zu undemokratisch, werde nicht genannt.

Frankreichs Arbeitsmarkt sei zweigeteilt. Auf der einen Seite gebe es viele sehr regulierte und sichere Jobs, auf der anderen Seite werde die Unsicherheit gerade bei neu entstehenden Stellen immer größer. Dazu komme eine Jugendarbeitslosigkeit von 24, 6 Prozent. Frankreich gehöre zu den Spitzenreitern Europas in dieser ruhmlosen Kategorie. Und die Bevölkerung sei tief gespalten. Während 51 Prozent aller Franzosen sagten, sie möchten mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt, sagten 49 Prozent sie möchten mehr Sicherheit. Gleichzeitig seien sich beinahe alle einig (85 Prozent der Bevölkerung), dass es immer ungerechter zugehe in Frankreich.

Kein Wunder also, dass Sozialpolitik eines der Top-Themen im Wahlkampf ist. Sowohl Macron als auch Le Pen haben die Reform des Arbeitsmarktes zu einem ihrer wichtigsten Programmpunkte gemacht. Wer die Positionen dieser zwei Kandidaten im Einzelnen sehen möchte, für den lohnt sich der Blick in den Originalartikel.

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(Quelle: GED Blog | Sprache: Englisch | Lesedauer: 11 Minuten)

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Deep Dive #6

Name: Sylvia Schmidt & Christian Bluth

Kommt aus: Deutschland

Politische Position: offizielll unparteiisch

Arbeitet für/als: Bertelsmann Stiftung

Was ihr noch wissen solltet: Die Bertelsmann Stiftung fördert nach eigener Aussage „Reformprozesse“ und „Prinzipien unternehmerischen Handelns“, um eine „zukunftsfähige Gesellschaft“ aufzubauen. Ihr Einfluss auf Politik und Gesellschaft wurde jedoch wiederholt kritisiert.

 

 

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#2 Einwanderungspolitik ist das Wahlkampfthema Nummer Eins
Deep Dive #6

Foto: taken by Joi Ito Published under CC BY-SA 2.0 Share Alike on Wikimedia.

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Die Politikwissenschaftlerin Sarah Wolff findet folgende Entwicklung absurd: Frankreich fuße auf einer multikulturellen Gesellschaft – und doch werde Immigration zunehmend nicht mehr als  ein Gesellschaftsprojekt betrachtet, sondern nur noch als externe Bedrohung. Dieser Wahlkampf drehe sich um eine Rhetorik, die immer öfter verkenne, dass es sich bei Asyl um ein Menschenrecht handle. Stattdessen werde davon gesprochen wie sehr Flüchtlinge die französische Identität und Bürgerlichkeit bedrohen. Einwanderung, und wie man damit umzugehen habe, sei zum zentralen Thema geworden in diesen Wahlen. Dabei habe Frankreich 2015 nur 74.468 Asylanträge erhalten und Deutschland im Vergleich über 722.000.

Was würde sich also mit Marine Le Pen oder Emmanuel Macron für Flüchtlinge in Frankreich verändern? Le Pen: Die legale Einwanderung soll von 200.000 auf 10.000 Einwanderer pro Jahr begrenzt werden. Es gibt kein Recht mehr auf das Nachrücken von Familienmitgliedern. Das Recht auf französische Staatsbürgerschaft, wenn man im Land geboren ist, wird abgeschafft und nationale Grenzen wieder eingeführt. Macron: Es soll bessere Einrichtungen geben, in denen Flüchtlinge Französisch lernen. Der Prozess beim Antrag auf Asyl wird beschleunigt. Begabte Flüchtlinge können mit sogenannten „Talent Visas“ einreisen. Trotzdem ist Macron für die Stärkung von europäischem Grenzschutz.

Sarah Wolffs Artikel ist äußerst lesenswert, weil er uns aufzeigt, welche Folgen die Wahlentscheidung im realen Leben von Millionen von Franzosen und Einwanderern haben wird.

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(Quelle: Clingendael | Sprache: Englisch | Lesedauer: 9 Minuten)

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Deep Dive #6

Name: Sarah Wolff

Kommt aus: Großbritannien

Politische Position:  Offiziell unparteiisch

Arbeitet für/als: Wissenschaftlerin, arbeitet am The Netherlands Institute for International Relations und an der Queen Mary University of London

Was ihr noch wissen solltet: Sarah Wolff hat sich auf EU-Außenbeziehungen, Migrations- und Grenzschutzpolitik spezialisiert. Sie hat auch einen politischen Blog Sarah Wolff: Research, Teaching and Policy Impact.

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#3: Alles dreht sich um Sicherheit und Terrorismusabwehr
Deep Dive #6

Foto: taken by Domenjod Published under CC BY 4.0 Share Alike on Wikimedia.

Nach den Anschlägen in Paris und Nizza und knapp eineinhalb Jahren im Ausnahmezustand ist laut Wahlumfragen im Februar der größte Sorgenfaktor der Franzosen das Thema innere Sicherheit gewesen – und nicht in erster Linie die Frage nach der Rolle der Europäischen Union. Für die Autorin Anne Giudicelli teilt sich dieses Thema in zwei unterschiedliche Grundauffassungen, die sich auch in den Positionen der beiden Präsidentschaftskandidaten widerspiegeln: Das eine politische Lager begreift die zunehmende Diversität an Religionen und Ethnien, die Globalisierung und Einwanderung in Frankreich als eindeutige Gefahr für die innere Sicherheit, das andere tendenziell als Chance. So vertritt Marine Le Pen einen repressiven Kurs der nationalen Abschottung, und Macron setzt eher auf Toleranz und Integration in der Sicherheitspolitik.

Repressiv heißt in dem Fall, der „echte Feind der Nation“ sind der radikale Islam und sein Zwillingsbruder, der Dshihadismus – und die müssen radikal bekämpft werden. Unter anderem müssten dafür salafistische Moscheen geschlossen werden; ausländischen Spendern müsse die Erlaubnis entzogen werden, inländische muslimische Organisationen zu finanzieren; und Bürgern mit doppelter Staatsbürgerschaft müsste ihre französische Staatsbürgerschaft entzogen werden, sobald ihnen Verbindungen zu Dschihadisten nachgewiesen werden können oder sie vom Kampf für eine islamistische Terrororganisation nach Frankreich zurückkehren.

Macron setzt wie Benoit Hamon, der ausgeschiedene sozialistische Kandidat für das Präsidentenamt, im Gegenzug auf einen etwas gemäßigteren Ansatz. Er möchte zwar auch das Grenzsystem verbessern, aber ein zu repressives Vorgehen führe aus seiner Sicht tendenziell zu mehr Radikalismus und Terrorismus und spalte eher als zu versöhnen.

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(Quelle: Al Jazeera | Sprache: Englisch | Lesedauer: 6 Minuten)

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Deep Dive #6

Name: Anne Giudicelli

Kommt aus: Frankreich

Politische Position: offiziell unparteiisch

Arbeitet für/als: internationale Expertin für geopolitische und sicherheitstechnische Fragen, arbeitete im französischen Ministerium für auswärtige und europäische Angelegenheiten

Was ihr noch wissen solltet: Giudicelli hat die Beratungsorganisation Terr(o)Risc gegründet, die eine betriebliche Beratung zu politischen, strategischen und sicherheitspolitischen Fragen in MENA- und Sahel Regionen bietet.

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Emmanuel Macron für Frankreich?
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Der Kandidat Emanuel Macron
#1 Macron wird Europa gut tun, weil er Realist ist und bekennender Europäer
Deep Dive #6

Foto: taken by Pablo Tupin-Noriega Published under CC BY 4.0 Share Alike on Wikimedia.

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Für die Politologin und Mitarbeiterin in Emmanuel Macrons Kampagnen-Team Sylvie Goulard ist klar, warum die Bewegung En Marche! mit ihrem Spitzenkandidaten Macron den Sprung in die Stichwahl geschafft hat: Macron ist ein Realist, der den Tatsachen ins Auge sieht. Auf vielen verschiedenen Ebenen war er bereit Risiken einzugehen, nicht zuletzt dadurch, dass er bei einer anti-europäisch aufgeheizten Grundtonlage des Wahlkampfes als Kandidat strikt an einer pro-europäischen Linie festgehalten hat.

Anstatt es sich leicht zu machen und die Nostalgie der Franzosen auszunutzen oder leere Versprechungen zu machen, glaubt er daran, dass wahre Souveränität an den Verbleib in und die verstärkte Mitgestaltung an der Europäischen Union gekoppelt ist – und nur durch das weitere Vorantreiben von einer kooperativen Weltordnung die supranationalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gelöst werden können. Einer der Gründe: Probleme wie Terrorismus oder der Klimawandel ließen sich nicht einfach durch das Barrikadieren hinter nationalen Grenzen wegwischen.

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(Quelle: The Guardian | Sprache: Englisch | Lesedauer: 3 Minuten)

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Deep Dive #6

Name: Sylvie Goulard

Kommt aus: Frankreich

Politische Position: Mitglied der Partei Mouvement démocrate (zentristischliberal)

Arbeitet für/als: Politikerin und Politologin, arbeitet am Centre d’Etudes et de Recherches Internationales und ist seit 2009 Mitglied des EU-Parlaments im Ausschuss für Wirtschaft und Währung.

Was ihr noch wissen solltet: Goulard ist Mitglied des Kampagnen-Teams von Macron. Sie steht für die Notwendigkeit einer stärkeren europäischen Integration, aber gleichzeitig auch für eine verstärkte öffentliche Auseinandersetzung über die Herausforderungen Europas.

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#2 Macron ist ein neoliberaler Vertreter des globalen Bankensystems
Deep Dive #6

Foto: taken by Ecole polytechnique Université Paris-Saclay Published under CC BY 2.0 Share Alike on Flickr.

In deutschen Medien wird Emmanuel Macron oft als Retter der europäischen Einheit beschrieben. Als einzig vernünftige Entscheidung in diesem Wahlkampf, weil er sich für ein europäisches Werteverständnis einsetze. Der Blogger Scott Creighton widerspricht vehement: Er beschreibt Macrons Vergangenheit als Sohn der oberen Mittelschicht, als Student auf einer von Frankreichs neoliberal geprägten Elite-Universitäten und dann seine Zeit als Investment Banker bei Rothschild.

Macrons einzig erfolgreiches Gesetz unter Hollandes Regierung sei vom französischen Volk stark abgelehnt worden. Seine Wirtschaftspolitik setze auf einen extremen Austeritätskurs. Eine Politik zu Lasten der Armen wie sie weder in Griechenland, noch in anderen südeuropäischen Ländern funktioniere. Scott Creighton trifft viele wunde Punkte, die von den deutschen Leitmedien größtenteils ausgeklammert werden. Auch wenn seine Sprache aggressiv ist, so lohnt es sich aus unserer Sicht den Artikel zu lesen. Denn Creighton klagt nicht nur Macrons neoliberale Agenda an, er belegt seine Argumente auch mit Zitaten aus internationaler Presse. Und er zeigt uns, warum der Favorit der französischen Präsidentschaftswahl das Land nicht nur positiv beeinflussen könnte.

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(Quelle: American Everyman | Sprache: Englisch | Lesedauer: 11 Minuten)

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Deep Dive #6

Name: Scott Creighton

Kommt aus: USA

Politische Position:

Bezeichnet sich selbst als „echten Sozialisten“ und „liberal ausgerichteten Amerikaner“

Arbeitet für/als: politischer Blogger

Was ihr noch wissen solltet: 

Creightons Blog American Everyman fokussiert sich auf “geopolitische Trends, den neoliberalen Expansionismus, die Trends in der Massenmedien-Propaganda und den politischen/humanitären Aktivismus”.

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Marine Le Pen

#1 Marine Le Pen nimmt die Ängste der Franzosen ernst
Deep Dive #6

Foto: taken by Claude TRUONG-NGOC Published under CC BY 3.0 Share Alike on Wikimedia.

Ich will das nächste Argument!

Wenn man in diesen Tagen einen Artikel lesen möchte, der Marine Le Pen verteidigt, muss man in deutschen Medien lange suchen. Auf dem antiislamischen Blog „Politically Incorrect“, der in der rechten Szene äußerst beliebt ist, wird man aber fündig: In diesem Artikel wendet sich Sarah Goldmann gegen eines der „häufig genutzten linken Propagandamittel“ gegen Marine Le Pens nationalistische Politik und ihr Vorhaben, die Kontrolle über die nationalen Grenzen wieder zu gewinnen: nämlich um die Umkehr von Ursache und Wirkung in der Argumentation ihrer Gegner.

So werde Marine Le Pen fälschlicherweise unterstellt, dass sie bewusst die Ängste in der Bevölkerung vor Moslems und Einwanderern schüre. Mit dem Ziel politischen Nutzen daraus zu ziehen und ihre eigene nationalistische Klientel zurück zu gewinnen. Demnach sei sie der Grund für die Ängste vor Islamismus und Terrorismus in Frankreich. Dabei liege der Grund für diese Ängste eigentlich woanders und sei auf die Fehltritte der französischen Regierung in den letzten Jahren zurückzuführen, die es versäumt habe, den aus ihrer Sicht richtigen Schluss aus dem Fakt zu ziehen, dass mehrheitlich Menschen aus Einwandererfamilien oder aus Einwanderermilieus an den Terroranschlägen beteiligt waren. Diese Ängste anzusprechen und mutige Lösungen zu finden, sei daher angemessen: Demnach nutze Marine Le Pen die islamistischen Terroranschläge der letzten Jahre nicht für ihre Politik aus, wie es ihr aus linken Kreisen regelmäßig vorgeworfen werde. Im Gegenteil: „Aufgabe von Politikern ist es, die Ursachen der Angst, hier die Ursachen für den Terror in Frankreich zu bekämpfen. Dazu muss man sie ansprechen“, so Goldmann.

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(Quelle: Politically Incorrect | Sprache: Deutsch | Lesedauer: 3 Minuten)

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Deep Dive #6

Name: Sarah Goldmann (Pseudonym?)

Kommt aus: Deutschland

Politische Position: islamkritisch, rechtspopulistisch  

Arbeitet für/als: Mehr, als dass sie für den politischen Blog Politically Incorrect arbeitet, ist leider über ihre Person nicht herauszufinden.

Was ihr noch wissen solltet: Der Blog “Politically Incorrect” bezeichnet sich als „proamerikanisch“ und „proisraelisch“ sowie gegen den „Mainstream“ und eine ”Islamisierung Europas“ gerichtet und setzt sich nach eigenen Angaben für das „Grundgesetz und Menschenrechte“ ein, welche er „aufgrund der immer mehr um sich greifenden Ideologie des Multikulturalismus“ bedroht sieht. Mittlerweile zählt der Blog zu den tausend meistbesuchtesten deutschen Websites.

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#2 Wie Marine Le Pen ihren Front National subtil zu entdämonisieren sucht
Deep Dive #6

Foto: taken by Marie-Lan Nguyen Published under CC BY 3.0 Share Alike on Wikimedia.

Wie macht man aus einer Partei, die jahrelang als antisemitisch, frauenfeindlich und rechtsextrem verteufelt wurde eine wählbare Partei für die Mitte der Gesellschaft? Die Vorsitzende des Front National nennt diese Strategie dédiabolisation oder auf Deutsch: Entdämonisierung.

In diesem langen und ausführlich recherchierten Stück führt uns die Journalistin Sarah Wildman vor Augen, wie subtil dieser Prozess von ihr, der Tochter des Parteigründers Jean-Marie Le Pen geplant und akribisch umgesetzt worden ist. Und tatsächlich habe sie es damit geschafft, die Partei wieder salonfähig zu machen.

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(Quelle: VOX News | Sprache: Englisch | Lesedauer: 21 Minuten)

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Deep Dive #6

Name: Sarah Wildman

Kommt aus: USA

Politische Position: offiziell unparteiisch

Arbeitet für/als: Autorin und Journalistin, arbeitet(e) für Vox, New York Times, Washingtonian und the Washington Post

Was ihr noch wissen solltet: Vox ist für sein Konzept des “erklärenden Journalismus” bekannt und gilt allgemein als liberal oder linksgerichtet.

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Hintergrund und Karte

Foto: taken by Gurnotron Published under CC BY-SA 4.0 Share Alike on Wikimedia.

Wichtige Eckdaten:

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Vielen Dank fürs Lesen!
Jetzt würden wir gerne hören, was ihr über diesen Topic Deep Dive denkt und was ihr gerne anders hättet! Einfach auf die E-Mail antworten oder direkt hier zum Fragebogen.
Ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Mal!Felix, Dario und Olga von The Buzzard

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