Trumps Drohung zeigt: Deutschland muss den eigenen Politikstil überdenken
Trumps Drohung zeigt: Deutschland muss den eigenen Politikstil überdenken
( Link zum Originalbild | Urheber: Olaf Kosinsky | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0 )

„Falls Trump kommendes Jahr wiedergewählt wird, wofür einiges spricht, könnte sich ein neuer Riss auftun, mitten in Europa. Dann stünde der Osten des Kontinents mit den Balten, Polen, Slowaken und Ungarn fest an der Seite der Amerikaner; die Briten gehörten im Westen selbstverständlich auch dazu. Und die Deutschen? Sie würden sich mit ihrem marode ausgestatteten, unterfinanzierten und ungeliebten Militär in einem außen- und sicherheitspolitischen Niemandsland wiederfinden.“

Marc Serrao, Leiter des Berliner Büros der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG

 

Die Perspektive in 30 Sekunden

  • Wenn die deutsche Politik die Argumente der USA aufgrund des brachialen Auftreten Richard Grenells ignoriert, vergrault sie ihren stärksten außenpolitischen Partner.
  • Speziell in weiten Teilen der SPD behindert derzeit ein Überlegenheitsgefühl gegenüber dem Politikstil Donald Trumps, realpolitische Überlegungen. Der moralisierende Politikstil, den Deutschland in den vergangenen Jahren vorgelegt hat, muss einer Einsicht in die veränderten außenpolitischen Gegebenheiten weichen.
  • Andernfalls könnte sich die USA tatsächlich nach anderen Verbündeten umsehen – und Deutschland stünde sicherheits- und außenpolitisch reichlich isoliert da.

 

Belege für das Kernargument

  • Der Ärger der USA hat seine Gründe. Die Weigerung, die Vereinigten Staaten im Konflikt mit dem Iran zu unterstützen, ist nur ein weiterer Affront. Die Bundesregierung kommt ihren internationalen Verpflichtungen den NATO-Partnern gegenüber seit Jahren nicht nach.
  • Eine baldige Einsicht ist kaum zu erwarten. Während Polen sich an die Abmachung der NATO-Staaten hält, 2% des BIP für Verteidigung auszugeben, scheint angesichts der derzeitigen politischen Tonlage in Deutschland nicht einmal die Marke von 1,5% bis zum Jahr 2024 realistisch.
  • Speziell der respektlose Umgang vergiftet die Debatte. Für Politiker und Journalisten gehört es fast schon zum guten Ton, den Präsidenten des wichtigsten Verbündeten Deutschlands als Rassisten und Wahnsinnigen darzustellen.

 

Warum The Buzzard diese Perspektive empfiehlt

Während die deutschen Tageszeitungen gefüllt sind von einer negativen Berichterstattung über die Politik Donald Trumps, hinterfragt Serrao in seinem Artikel den derzeit vorherrschende Umgang mit dem amerikanischen Präsidenten. Eine Verurteilung des harschen Politikstils mag zwar gesellschaftlicher Konsens sein, sei für die deutsche Außenpolitik aber gefährlich. Statt einer Orientierung an der öffentlichen Stimmung, fordert der Autor mit scharfen Worten ein Handeln nach realpolitischen Überlegungen. Denn Serrao stellt die Behauptung auf, dass die Drohung über eine Verlegung der Truppen nach Polen der moralischen Ablehnungshaltung der deutschen Politik geschuldet ist.

Der Beitrag wird empfohlen von Moritz Fehrle.

Wer steckt dahinter?

Marc Felix Serrao
Kommt aus:Hannover
Politische Position:leitender Redakteur im Berliner Büro der Neuen Zürcher Zeitung
Was Sie noch wissen sollten:Serrao ist Diplom-Politologe und hat einen MBA am Kellog School of Management gemacht. Er war freier Mitarbeiter unter anderem beim Tagesspiegel und der Welt am Sonntag, hat bei der SZ volontiert und dort bis 2016 als Medienredakteur gearbeitet. Nach einem Ausflug zur FAS ist er seit Juli 2017 für die NZZ tätig
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