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Warum es bei Abtreibungsverboten in den USA nicht um den Schutz von Leben geht
Warum es bei Abtreibungsverboten in den USA nicht um den Schutz von Leben geht
( Link zum Originalbild | Urheber: StockSnap | Pixabay | Pixabay License )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

im Mai sorgte der US- Bundesstaat Alabama mit einem Gesetzesentwurf zur Regulierung von Schwangerschaftsabbrüchen für Schlagzeilen. Künftig drohen Ärzten in Alabama bis zu 99 Jahre Haft, sollten sie eine Abtreibung nach der sechsten Schwangerschaftswoche durchführen. Selbst im Falle von Inzest oder Vergewaltigung bleibt das Verbot bestehen.
Damit ist Alabama jedoch kein Einzelfall. Louisiana stimmte ebenfalls im Mai für ein verschärftes Abtreibungsgesetz. In Bundesstaaten wie Georgia, Mississippi, Kentucky und Ohio gibt es bereits ähnlich strenge Gesetze.

Dabei berufen sich Befürworter von Abtreibungsverboten in ihren Argumentationen häufig auf ein christliches Menschenbild. Der Schutz des Lebens hat Priorität.
Der Autor unserer heutigen Tagesempfehlung meint jedoch, dass der US–Trend zur Verschärfung von Abtreibungsgesetzen andere Hintergründe hat. Chris Hedges vertritt bei RUBIKON die These, ein erschwerter Zugang zu Abtreibungen diene in erster Linie dem Missbrauch von Frauen als Geburtsmaschinen.

Auf dem Arbeitsmarkt brauche man ein Überangebot an Arbeitnehmern, die in niederen Bereichen tätig sind. Das Militär braucht Soldaten, der Markt Konsumenten.
Die Geburtenrate in den USA befindet sich jedoch auf dem tiefsten Stand seit 32 Jahren. Hedges führt diesen Umstand auf einen „Geburtsstreik“ der Frauen zurück. Kinder würden aufgrund von fehlender sozialer, finanzieller und gesundheitlicher Absicherung eine zu große Belastung darstellen.

Der Staat könnte Bedingungen schaffen, in denen eine Schwangerschaft keine existenzbedrohende finanzielle Belastung darstellen würde.
Stattdessen wird versucht, „mit einem Minimum an Ausgaben für Arbeiter und einem Maximum an unbezahlter reproduktiver Frauenarbeit“, die Geburtenrate zu erhöhen. Dazu gehöre es auch, Abtreibungen zu verbieten.

„Ignorieren Sie die religiöse Rhetorik und das moralische Auftreten in der Abtreibungsdebatte. Das Argument der Heiligkeit des Lebens ist nur ein Vorwand. In Wirklichkeit stehen hinter der Debatte Unternehmer, die – geleitet von kapitalistischen Zielen – dringend mehr Körper brauchen und Frauen dazu zwingen wollen, diese zu produzieren.“

 

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Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten u.a. zur Situation von Geflüchteten an den EU-Außengrenzen.

 

 

Wer steckt dahinter?

Peter Heimer
Kommt aus:Kommt aus Altenburg in Thüringen, bezeichnet Leipzig als seine zweite Heimat.
Politische Position:Findet, dass Mensch und Natur immer über wirtschaftlichen Interessen stehen sollten, versucht jedoch für jeden Standpunkt Verständnis aufzubringen.
Arbeitet für/als:Studiert Germanistik in Leipzig
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt Gedichte und Texte über Absurditäten des Lebens. Seine Liebe zur Musik der 60er Jahre lebt er in einer Band an der Gitarre aus.
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