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Sollte die US-Regierung der Bevölkerung die Waffen abkaufen?
Sollte die US-Regierung der Bevölkerung die Waffen abkaufen?
( Link zum Originalbild | Urheber: DariuszSankowski | Pixabay | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard. 

Guten Morgen,

nach den Massakern in El Paso und Dayton ist die Frage wieder einmal aktuell: Was kann getan werden gegen die Waffengewalt in den USA? Meine heutige Empfehlung untersucht einen Vorschlag, der mir bisher nicht begegnet war. Es geht darum, ob die US-Regierung einen Rückkauf starten könnte, um die Zahl der Waffen im Land zu senken.

Die Analyse stammt von Lacey Wallace, einer Professorin für Strafrecht in Pennsylvania, ihr Text ist im australischen Online-Magazin The Conversation erschienen. Wallace geht von der These aus, dass schärfere Kontrollen beim Waffenverkauf nicht ausreichen, da Handfeuerwaffen in der amerikanischen Bevölkerung bereits zu verbreitet sind: Auf 100 Einwohner kommen 120 Stück, insgesamt etwa 393 Millionen. Diese Waffen könnte die Regierung jedoch wenigstens zum Teil zurückkaufen und zerstören.

Kein ganz neuer Gedanke: Bereits 1996 verbot Australien halb- und vollautomatische Gewehre und kaufte in einem Jahr 650.000 davon auf, ca. 20 Prozent der privaten Handfeuerwaffen des Landes. In den sieben Jahren nach dem Verbot sank die Mordrate um 42 Prozent, die Selbstmordrate sogar um 57 Prozent. Allerdings argumentierten einige Forscher, das entspreche einem allgemeinen Trend, sei also nicht unbedingt mit dem Verbot in Verbindung zu bringen.

In den USA haben ähnliche Aktionen – allerdings auf viel kleinerem Niveau – keine vergleichbaren Effekte erzielt. Wallace nennt dafür drei Gründe und macht zugleich Vorschläge, wie mit den Problemen umzugehen wäre.

Erstens: Aufkauf der falschen Waffen. Erfahrungsgemäß verkauft die US-Bevölkerung bei den Rückkauf-Aktionen nicht diejenigen Waffen, die am häufigsten bei Schießereien genutzt werden: nämlich Pistolen. Stattdessen überlässt sie dem Staat Gewehre und Schrotflinten, oft auch defekte Waffen. Wallace schlägt deshalb vor, Prämien für Pistolen zu zahlen, was zum Beispiel in Boston 2006 bereits mit Erfolg erprobt worden sei.

Zweitens: die hohen Kosten. Die Rückkauf-Aktionen wurden in den USA bisher von lokalen Agenturen organisiert, deren finanzielle Möglichkeiten viel kleiner sind als die der Regierung. Es müsste Wallace zufolge einen umfassenden staatlichen Rückkauf geben.

Drittens: In der Regel ist die Polizei in die Rückkauf-Aktionen involviert. Das verhindert, schreibt Wallace, dass Kriminelle ihre Waffen abgeben, denn sie möchten mit der Polizei nicht in direkten Kontakt treten. Auch hier nennt Wallace Boston als Vorreiter. 2006 sorgte die Stadt dafür, dass die Bevölkerung ihre Waffen zum Beispiel auch an Kirchen abgeben konnte, um das Zusammentreffen mit der Polizei zu vermeiden.

Trotzdem bleibt die Frage nach dem Geld:

„Allein die Kosten könnten ein verhindernder Faktor sein. Bei einem Anreiz von 50 Dollar pro Waffe würde eine Reduzierung des US-Waffenbestands um einen Prozent 196,5 Millionen Dollar kosten. Und zwangsläufig wären nur einige der gekauften Waffen überhaupt bei zukünftigen Verbrechen eingesetzt worden.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag. (Englisch)

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten u.a. zur Situation von Geflüchteten an den EU-Außengrenzen.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
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