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Wie Kolonialrecht Afrika bis heute prägt
Wie Kolonialrecht Afrika bis heute prägt
( Link zum Originalbild | Urheber: succo | Pixabay | Pixabay License )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

im April dieses Jahres billigte das Parlament der afrikanischen Republik Ruanda einen Gesetzesentwurf, der die Abschaffung von rund eintausend Gesetzen vorsieht. Deren Gemeinsamkeit: Sie wurden in der Zeit der Kolonialherrschaft erlassen.
Was Ruanda nun abschaffen möchte, ist in vielen afrikanischen Ländern weiterhin Realität: Gesetze, die ihren Ursprung in der Kolonialzeit haben.

Die Auswirkungen, die diese bis heute auf die betroffenen Staaten haben, beschreibt Clarissa Herrmann in einem Artikel für die DEUTSCHE WELLE.
So konnten nach dem Ende der Kolonialherrschaft afrikanische Herrscher zunächst die Rechtslage ausnutzen, um ihre Macht zu festigen. Schließlich waren koloniale Gesetze darauf ausgelegt, möglichst viele Rohstoffe zu fördern und die Bevölkerung zu kontrollieren. Das erschwerte die Etablierung demokratischer Strukturen und behindert bis heute unabhängige wirtschaftliche Aktivitäten.

In Tansania führt die gesetzlich vorgeschriebene Ausweispflicht zu Drangsalierungen durch die Polizei, da es in ländlichen Gegenden für die Bevölkerung gar nicht möglich ist, Papiere zu beantragen. Auch die Kriminalisierung Homosexueller basiert häufig auf Gesetzen aus der Kolonialzeit.

Die radikale Vorgehensweise Ruandas erscheint auf den ersten Blick als logischer Schritt, um das koloniale Erbe hinter sich zu lassen.
Kritiker fürchten jedoch mögliche Gesetzeslücken, die durch die Abschaffung von nahezu eintausend Gesetzen entstehen könnten. Eine differenzierte Vorgehensweise sei nötig. So könne man funktionierende Regeln von denen, die die Freiheit des Volkes einschränken sollen unterscheiden.

In Ruanda hatten koloniale Regeln und Gesetze nach Meinung von Historikern besonders gravierende Auswirkungen. Der Kolonialismus hat aus ihrer Sicht den Völkermord von 1994 zumindest begünstigt. In den dreißiger Jahren führten die belgischen Kolonialherren Personalausweise ein, in denen die ethnische Zugehörigkeit der Bevölkerung als Hutus oder Tutsis festgeschrieben wurde. Manche Experten glauben, dass diese Kategorisierung die Spaltung zwischen den Bevölkerungsgruppen verschärfte.

 

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Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Peter Heimer
Kommt aus:Kommt aus Altenburg in Thüringen, bezeichnet Leipzig als seine zweite Heimat.
Politische Position:Findet, dass Mensch und Natur immer über wirtschaftlichen Interessen stehen sollten, versucht jedoch für jeden Standpunkt Verständnis aufzubringen.
Arbeitet für/als:Studiert Germanistik in Leipzig
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt Gedichte und Texte über Absurditäten des Lebens. Seine Liebe zur Musik der 60er Jahre lebt er in einer Band an der Gitarre aus.
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