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Sind importierte Lebensmittel besser fürs Klima als regionale?
Sind importierte Lebensmittel besser fürs Klima als regionale?
( Link zum Originalbild | Urheber: lumix2004 | Pixabay | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand The Buzzard.

Guten Morgen,

lieber die etwas schrumpeligen Äpfel vom lokalen Biobauern oder doch die saftigen aus Chile? Ich persönlich dachte bis vor Kurzem, dass regionale Produkte zumindest für das Klima die bessere Wahl sind. Doch meine heutige Empfehlung stellt das infrage.

Sie stammt von dem Physiker und Kabarettisten Vince Ebert und ist im Wissenschaftsmagazin Spektrum erschienen. Ebert argumentiert, dass die zurückgelegten Kilometer für die Ökobilanz von Nahrungsmitteln kaum relevant sind: Im Schnitt mache der Transport nur vier Prozent der Emissionen aus. Ebert bezieht sich dabei auf eine Studie der britischen Ökonomen David Coley und Michael Winter, der zufolge vor allem die Art und Weise des Anbaus die Ökobilanz beeinflusst.

Heißt konkret: In Argentinien sind die Bedingungen für Rinderzucht ideal, riesige Bestände in den exakt richtigen Biotopen. Es braucht dort weder Kraft- noch Kunstfutter, und die Haltung auf den Weideflächen frisst weniger Energie als in Deutschland. Die Fleischerzeugung ist damit produktiver und, so Ebert, auch umweltschonender. Er nennt weitere Beispiele: Rosen aus Paderborn etwa hätten einen sechsmal so großen ökologischen Fußabdruck wie Rosen aus Kenia.

In seinem Fazit bezieht sich Ebert auf den Zoologen Matt Ridley und dessen Buch The Rational Optimist“: Bei vielen Nahrungsmitteln sei die Energiebilanz trotz halber Weltreise günstiger als bei regionalen Produkten. Wir können als Verbraucher jedoch an ganz anderer Stelle das Klima schonen, denn:

„Den höchsten Beitrag zur Ökobilanz eines Lebensmittels verursachen nicht selten die Endverbraucher. Wenn Sie also mit Ihrem schicken SUV 50 Kilometer zum Ökobauern Ihres Vertrauens fahren, um für das Mitgliedertreffen der regionalen Slow-Food-Bewegung 500 Gramm Rinderfilet aus nachhaltiger Zucht zu kaufen, dann verursachen Sie damit einen größeren ökologischen Fußabdruck als Ihr Nachbar, der mit dem Fahrrad zum Discounter um die Ecke fährt, um für seinen Junggesellenabschied zehn Kilo kanadische Spare Ribs, drei Packungen Tiefkühl-Pommes aus indischen Kartoffeln und ein Fünf-Liter-Fass amerikanisches Budweiser besorgt.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
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