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Ist der CSD noch zu retten?
Ist der CSD noch zu retten?
( Link zum Originalbild | Urheber: Franz | Pixabay | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

am vergangenen Wochenende fand in Berlin die Parade zum Christopher Street Day statt, nach Köln der zweitgrößte CSD in Deutschland. Für viele Menschen ist der CSD die queere Veranstaltung des Jahres schlechthin – für andere nur ein weiteres kommerzielles Massenevent. Zur letzteren Kategorie gehören die beiden Journalist*innen Hengameh Yaghoobifarah und Bahar Sheikh. Sie waren am Wochenende zum ersten Mal auf einem CSD und berichten in der TAZ von ihren Erfahrungen.

Protest oder Werbung für Konzerne?

Yaghoobifarah und Sheikh kritisieren vor allem, dass die klassischen Pride-Events wenig mit radikaler queerer Geschichte und politischer Praxis zu tun haben. 50 Jahre nach den Stonewall-Aufständen sei von Protest wenig übriggeblieben. Stattdessen sei der CSD eher „eine edgy Promo-Möglichkeit für Konzerne und Labels“. Die Autor*innen vergleichen den CSD mit einer vierstündigen Dauerwerbesendung für diverse Firmen und Institutionen, an der vor allem Heten Spaß hätten. Die queere Community sei unterdessen in Kreuzberg beim „Radical Queer March“ unterwegs. Bei dieser Alternativveranstaltung sei es wegen Polizeigewalt und Antisemitismus zu Konflikten gekommen – am CSD dagegen hätten Polizeibeamte Kondome mit Sprüchen wie „Schusssicher“ und „Stehen bleiben“ verteilt.

Die politische Dimension des Christopher Street Day ist abhanden gekommen

Auffällig sei laut Yaghoobifarah und Sheikh auch, dass auf dem CSD vor allem „weiße Bürgis“ vorzufinden seien – ein krasser Gegensatz zu den Stonewall-Aufständen, die von schwarzen Transfrauen und Sexarbeiter*innen aus der Arbeiterklasse instigiert wurden. Das Fazit der Autor*innen: „In einem Land, in dem ‚Vincent‘ von Sarah Connor als Gay-Hymne gilt und wo Heidi Klum den Ableger von RuPaul’s Drag Race moderiert, ist die apolitische Dimension des CSD kein Stückchen überraschend, denn mal wieder gilt: Hauptsache die Heten haben Spaß.“

„Zwischen Institutionen und Konzernen wie Bundeswehr, Polizei, Evangelische Kirche, PayPal oder Bayer ausgelassen zu feiern, während all jene das restliche Jahr über keinen positiven Beitrag für queere Communities leisten, erscheint nicht nur widersprüchlich, sondern auch heuchlerisch.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

 

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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