Zurück zu allen Tagesempfehlungen
Warum die Angst vor dem weltweiten Bevölkerungswachstum übertrieben ist
Warum die Angst vor dem weltweiten Bevölkerungswachstum übertrieben ist
( Link zum Originalbild | Urheber: B_Me | Pixabay | Pixabay License )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

um das Jahr 1800 lebten etwa eine Milliarde Menschen auf der Erde. 2050 werden es laut Schätzungen der UN rund 9,7 Milliarden sein und im Jahr 2100 sogar 11 Milliarden. Dieser Bevölkerungsanstieg wird oft als Problem gesehen. Die Wissenschaftssendung WDR QUARKS fragt sich beispielsweise, wie die Überbevölkerung gebremst werden könnte. FDP-Politiker Wolfgang Kubicki  findet, es sei Zeit für die Einberufung einer Weltbevölkerungskonferenz.
Die US-Forscher John Bongaarts und Brian C. O’Neill sehen den Klimaschutz gefährdet, sollte sich das Wachstum der Weltbevölkerung fortsetzen.
Dass wir auf der Welt immer mehr werden stellt also eine Bedrohung dar. Könnte man meinen.

Andres Sator, der Autor unserer heutigen Tagesempfehlung, sieht das anders. Für ihn ist eine wachsende Weltbevölkerung in erster Linie eine positive Sache: Durch verbesserte Lebensbedingungen sterben weniger Menschen. In seinem Artikel, der im STANDARD erschienen ist, geht Sator auf Argumente ein, die den Anstieg der Bevölkerungszahlen kritisch sehen. Häufig wird eine hohe Anzahl an Kindern für Armut verantwortlich gemacht. Das Gegenteil sei jedoch der Fall. Armut führt zu vielen Kindern.
Noch stünden viele Länder in einer Phase, in der eine hohe Geburtenrate nicht durch eine hohe Sterblichkeit ausgeglichen wird.
Diese Phase des „demografischen Übergangs“ sei jedoch global gesehen rückläufig.
Noch in den 1960er Jahren bekamen Frauen im weltweiten Durchschnitt 5 Kinder.
Diese Zahl lag 2016 bei 2,44. Dieser Rückgang liege vor allem am verbesserten Zugang zu Bildung und Verhütungsmitteln.

Viele afrikanische Länder stehen noch am Anfang dieser Entwicklung. Die afrikanische Bevölkerung könnte sich bis zum Ende des Jahrhunderts vervierfachen. Immer wieder zu lesen: Mit so vielen Milliarden Menschen, die einen westlichen Lebensstil führen wollen, ist die Klimakrise nicht zu lösen.
Und da stimmt Sator zu: Eine Welt, in der alle so leben wie wir, sei tatsächlich nicht nachhaltig, meint er. Schließlich gehe die Hälfte der weltweiten CO2 Emissionen auf das Konto der USA und der EU-Staaten. Sind es also die westlichen Länder, die überbevölkert sind?
Diese Frage sollten wir uns stellen, gerade wenn wir das Bevölkerungswachstum als Hemmnis im Kampf gegen den Klimawandel sehen.

In Europa sind unser Lebensstil, unsere Wirtschaft und Politik das Problem, in anderen Teilen der Welt mangelnde Perspektiven und zu wenig Bildung. Darüber sollten wir reden – und nicht darüber, ob dieser Planet für eine beliebig hohe Zahl von Menschen reicht oder nicht.

 

Hier entlang zum Originalbeitrag

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen Themen unserer Zeit.

 

Wer steckt dahinter?

Peter Heimer
Kommt aus:Kommt aus Altenburg in Thüringen, bezeichnet Leipzig als seine zweite Heimat.
Politische Position:Findet, dass Mensch und Natur immer über wirtschaftlichen Interessen stehen sollten, versucht jedoch für jeden Standpunkt Verständnis aufzubringen.
Arbeitet für/als:Studiert Germanistik in Leipzig
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt Gedichte und Texte über Absurditäten des Lebens. Seine Liebe zur Musik der 60er Jahre lebt er in einer Band an der Gitarre aus.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.