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Wie Internetportale zur Spielwiese von Extremisten werden
Wie Internetportale zur Spielwiese von Extremisten werden
( Link zum Originalbild | Urheber: Robinraj Premchand | Pixabay | Pixabay Lizenz )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

anonyme Internetforen haben keinen guten Ruf: Verschwörungstheorien finden einen idealen Nährboden; Gewaltakten wird applaudiert – etwa dem Attentäter, der im neuseeländischen Christchurch in zwei Moscheen Menschen erschossen hatte. Der Amokschütze, der in einer Synagoge in San Diego Ende April das Feuer eröffnete, hatte sich in solch einem rassistischen Forum radikalisiert, bevor er zur Tat schritt.

Nicky Woolf schaut in einem langen Beitrag für TORTOISE MEDIA auf diesen Hass-Mechanismus: Männer finden sich dort zusammen, sagt sie, und formen eine Art organische Gemeinschaft aus anonymen Teilnehmern. Eine extreme Filterblase, könnte man auch sagen. Doch ihre Memes finden via Reddit oder Twitter auch Einzug in die Popkultur und den Mainstream.

Lesenswert ist Woolfs Artikel aber vor allem, weil sie die Geschichte eines jungen Mannes erzählt, der mit „8chan“ eine der berüchtigtsten Webforen dieser Art gegründet hat: Fredrick Brennan, Jahrgang 1994, leidet unter der Erbkrankheit Osteogenesis imperfecta (Glasknochenkrankheit), was ihn als Heranwachsenden isolierte. Er verbrachte darum enorm viel Zeit am PC, auf so genannten chan sites, also Online-Foren für verschiedene Interessen, deren Nutzer allerdings komplett anonym bleiben – das sei wichtig für die Dynamik, die sich dort entfaltet, beschreibt Woolf.

Brennan ruft 2013 die Website „8chan“ ins Leben, die einen enormen Aufschwung im Zuge der „Gamergate“-Kontroverse von 2014 erlebte: Aus 100 Posts pro Tag wurden 10.000 – pro Stunde. Immer mehr fremden- und frauenfeindliche Nutzer sammelten sich dort. Brennan, der die rechtliche Verantwortung für die Seite 2015 abgab, distanziert sich inzwischen von dem Projekt.

„Brennan hatte eine der gefährlichsten Seiten des Internets geschaffen. Einen Ort mit einer Struktur, die einen perfekten Nährboden für gewalttätige Misogynie und alle Arten von hasserfüllten Ideologien darstellte, um zu keimen und sich zu verbreiten – aber er hatte es ganz unabsichtlich getan.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen Themen unserer Zeit, etwa zur Frage: „Treiben uns soziale Medien auseinander?“.

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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