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Warum Stonewall so besonders war
Warum Stonewall so besonders war
( Link zum Originalbild | Urheber: Travis Wise | Flickr | CC BY 2.0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

die Pride-Saison ist in vollem Gange – überall in Deutschland, Europa und auf der ganzen Welt finden in diesen Wochen Paraden zum Christopher Street Day statt, im Gedenken an die Stonewall Rebellion in New York City, die vor 50 Jahren am 28. Juni 1969 stattgefunden haben. Zu der Zeit standen Homosexualität und Transidentität in den USA unter Strafe. Die Polizei führte deshalb häufig gewalttätige Razzien in Schwulenbars durch und verhaftete die Besucher*innen wegen „anstößigen Verhaltens“. Die Presse druckte die Namen der Verhafteten am nächsten Tag in der Zeitung ab und outete diese Personen dadurch gegen ihren Willen. Butch-Lesben und Transmenschen wurden bei diesen Razzien oft besonders gezielter Demütigung ausgesetzt, denn ein Gesetz schrieb vor, dass man mindestens drei Kleidungsstücke, die seinem biologischen Geschlecht zugeordnet waren, tragen musste. Misshandlungen und Vergewaltigungen durch die Polizei waren nicht selten.

Was genau ist bei den Stonewall Riots überhaupt passiert?

Da es keine visuelle Dokumentation der Stonewall Riots gibt, die Erinnerungen der Teilnehmer*innen manchmal schwammig sind und sich widersprechen, und die Tageszeitungen damals nur verächtlich über die Geschehnisse berichtet haben, ist es schwierig, genau zu sagen, was eigentlich wirklich passiert ist. Klar ist jedoch, dass die Besucher*innen des Stonewall Inn sich in dieser Nacht unerwartet heftig gegen eine Razzia gewehrt haben.

In einem Beitrag für THE NATION schreibt die freie Journalistin Morgan Page, dass es verschiedene Theorien gibt, wer die Rebellion begonnen hat. Die beliebtesten Mythen rankten sich um die afro-amerikanische Transfrau und Sexarbeiterin Marsha P. Johnson. In einer Version brüllt sie, während die Polizei beginnt, Menschen zu verhaften, „Ich habe meine Bürgerrechte!“ und schleudert ein Shotglas gegen einen Spiegel. In einer anderen Version hängt sie draußen vor der Bar an einer Straßenlaterne und lässt ihre mit einem Ziegel gefüllte Handtasche auf ein Polizeiauto fallen. Manche Theorien rückten die afro-amerikanische Butch-Lesbe und Dragking Stormé Delarverie in den Mittelpunkt der Geschehnisse, andere wiederum einen weißen schwulen Mann namens Jackie Hormona.

„Das erste Mal, an dem sich alle zusammen gewehrt haben“

Page ist der Meinung, dass es völlig egal sei, wer denn nun das erste Shotglas oder den ersten Stein geworfen hat. Die Diskussionen darum würden nur die Spaltung von verschiedenen Gruppen innerhalb der LGBTI-Community fördern, aber die Essenz der Stonewall Riots völlig außer Acht lassen: Nämlich, dass hier zum ersten Mal alle gemeinsam gegen die Polizeigewalt gekämpft haben. Und dass die Rebellion genau deswegen so erfolgreich war.

„Die wichtigste Lektion von Stonewall ist, dass es eine ethnisch durchmischte Gruppe aus Sexarbeiter*innen, Drag Queens, Butch Drag Kings und schwuler Männer gebraucht hat, um sich gemeinsam gegen die systematische Unterdrückung zu wehren. Im Gegensatz zu früheren LGBTQ-Rebellionen, wie der Compton’s Cafeteria Riot von 1966, in denen nur einzelne Gruppen der Community involviert waren, konnte Stonewall historische Signifikanz erreichen, weil es das erste Mal war, an dem wir uns alle zusammen gewehrt haben, Schulter an Schulter.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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