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Wie queere Paare in Russland sich für oder gegen Emigration entscheiden
Wie queere Paare in Russland sich für oder gegen Emigration entscheiden
( Link zum Originalbild | Urheber: Victoria Borodinova | Pixabay | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

wenn Sie wegen Ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert würden und jeden Tag mit der Angst lebten, dass das Jugendamt Ihnen Ihre Kinder wegnimmt – würden Sie in Ihrer Heimat bleiben oder sie verlassen? Mit dieser schwierigen Entscheidung sind queere Paare in Russland konfrontiert. In einem Beitrag für THE NEW YORKER erzählt die russisch-amerikanische Journalistin Masha Gessen die Geschichte von vier lesbischen Paaren und ihren Kindern. Drei der Paare haben beschlossen, in Russland zu bleiben – das vierte emigrierte nach Frankreich, bereute die Entscheidung aber und kehrte nach Russland zurück.

Wie die russische Regierung queeren Menschen das Leben schwer macht

Gessen stellt beeindruckend dar, unter welchen Bedingungen queere Paare in Russland leben. Sie verdeutlicht die Absurdität der Lage, indem sie gleich am Anfang ihres Beitrags von dem kurzzeitigen Verbot von Yogastunden in russischen Gefängnissen berichtet – die Begründung sei gewesen, dass man durch Yoga sexuell erregt werde und dadurch homosexuelle Kontakte in Gefängnissen gefördert würden.

Doch die Haltung der russischen Regierung sei definitiv nicht nur amüsant: Die positive Darstellung von „nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen“ gegenüber Minderjährigen sei verboten. Ein Mitglied des Parlaments habe angekündigt, ein Gesetz einführen zu wollen, nach dem Kinder von gleichgeschlechtlichen Eltern entfernt werden sollen. Beim Arzt und in Krankenhäusern würden gleichgeschlechtliche Partner*innen oder Elternteile nicht anerkannt.

Gehen oder bleiben?

Wegen dieses feindseligen Umfelds überlegen viele queere Menschen, ob sie auswandern sollen, schreibt Gessen. Dass viele es doch nicht tun, läge daran, dass sie Angst vor der Zukunft fernab ihrer Heimat haben oder dass es ihrer Karriere erheblich schaden würde. Trotzdem sei in Russland Vorsicht geboten. Ein Paar erzählt, dass sie sich seit 2013 nicht mehr öffentlich geküsst oder an den Händen gehalten haben. Auch in ihrer eigenen Wohnung haben sie sich erst dann geküsst, nachdem sie blickdichte Jalousien installiert hatten. Und sie seien jederzeit bereit, das Land sofort zu verlassen:

„Beide Frauen sagen, dass sie das Land wahrscheinlich irgendwann verlassen werden. ‚Allerdings erst, wenn Putin eine Kosakenpeitsche schwingend in unsere Wohnung einbricht. Wir haben alles getan, um sicherzustellen, dass wenn das doch passiert, wir die Tür versperren können und uns am nächsten Morgen in ein Flugzeug setzen.‘“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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