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Im Fußball offen lesbisch sein ist noch immer ein Tabu
Im Fußball offen lesbisch sein ist noch immer ein Tabu
( Link zum Originalbild | Urheber: Jeffrey F Lin Follow Message | Unsplash | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

wenn an Balkonen und an Autos Deutschlandfahnen flattern, wenn Menschenmassen sich zum Public Viewing an öffentliche Plätze und in die Biergärten drängen, wenn Fußball selbst unter Leuten, die mit dem Sport normalerweise nicht viel anfangen können, zum Smalltalk-Thema wird, dann ist Männerfußball-Weltmeisterschaft. Momentan sieht man zwar nichts von einem derartigen Aufgebot, aber es ist trotzdem WM-Zeit – im Frauenfußball.

Schlechtere Bezahlung bei besserer Leistung

In den USA werden gerade heftige Diskussionen darüber geführt, dass die Fußballfrauschaft schon dreimal die Weltmeisterschaft gewonnen und vier Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen geholt hat – während die Männer keinen der beiden Wettbewerbe je gewonnen haben – und trotzdem nur einen Bruchteil des Geldes bekommen, das ihren männlichen Kollegen gezahlt wird. In Deutschland sieht es ähnlich aus: Die deutsche Fußballfrauschaft hat acht Europameisterschaftstitel und ist damit Rekordsiegerin. Dazu kommen zwei Weltmeisterschaftstitel, seitdem 1991 die erste Frauenfußball-WM stattfand. Die Männer treten schon seit 1930 zur Weltmeisterschaft an und haben bisher vier Mal gewonnen. Und trotzdem bekommen die Frauen ein Achtel davon, was den Männern bezahlt wird.

Viele Fußballerinnen sind lesbisch, wenige können sich jedoch outen

Nicht nur die schlechtere Bezahlung ist ein Problem im Frauenfußball: Homophobie hält sich ebenfalls hartnäckig. In einem Beitrag für DEUTSCHLANDFUNK schreibt der Journalist Ronny Blaschke, dass in vielen Frauschaften zwar überdurchschnittlich viele Lesben spielen, Homosexualität aber noch immer ein großes Tabu sei. Erst in den letzten Jahren hätten sich einige Spielerinnen geoutet, zum Beispiel die kanadische Torhüterin Erin McLeod oder die japanische Stürmerin Shiho Shimoyamada. Aber die Reaktionen sind oft noch negativ. Blaschke zitiert die Nilla Fischer vom VfL Wolfsburg:

„Wenn man sich offen positioniert, erhält man auch negative Reaktionen und Hasskommentare. Jemand hat mal geschrieben, dass ich als lesbische Fußballerin nicht leben darf. Durch den zunehmenden Rechtspopulismus hat sich das Klima verändert. Auf der anderen Seite sind auch wir enger zusammengerückt. Wir unterstützen uns stärker für eine offene Gesellschaft. Das Schweigen von früher existiert nicht mehr.“

Protest kommt vor allem aus den USA

Gerade aus den USA komme immer mehr Protest gegen Homophobie im Fußball. Die ehemalige Spielerin Joanna Lohman zum Beispiel küsste vor einigen Wochen ihre Freundin demonstrativ vor dem Weißen Haus. An der diesjährigen Weltmeisterschaft nehmen 30 Spielerinnen teil, die sich öffentlich als lesbisch oder bisexuell geoutet haben. Viele stammen aus USA, England oder Schweden – aus Deutschland gäbe es jedoch niemanden. In manchen WM-Nationen wie Jamaika, Kamerun oder Nigeria, sei ein Outing auch beinahe unmöglich, denn hier steht Homosexualität unter Strafe. Nilla Fischer betone, dass Frauen deshalb deutlicher gegen Homophobie im Fußball vorgehen müssten:

Ob in der Gesellschaft oder im Fußball: Die großen Schritte in der Frauenbewegung kamen nicht dadurch zustande, dass Frauen immer nett, leise und regeltreu waren. Wir müssen mit Power an die Sache heran gehen. Und sagen: das akzeptieren wir so nicht mehr.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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