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Warum Fakten unsere Meinungen nicht ändern
Warum Fakten unsere Meinungen nicht ändern
( Link zum Originalbild | Urheber: geralt | Pixabay | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard. 

Guten Morgen,

vor zwei Wochen habe ich an dieser Stelle über die Frage geschrieben, ob wir einen neuen Journalismus brauchen: einen langsameren. Kurz bin ich dabei darauf eingegangen, dass Menschen dazu neigen, ihr eigenes Wissen zu überschätzen. Da mache ich heute weiter: bei Fehleinschätzungen, die uns selbst betreffen. Meine Empfehlung versucht die Frage zu beantworten, warum wir uns sogar durch verifizierte Fakten oft nicht davon überzeugen lassen, dass wir falsch liegen.

Der Text stammt von der Pulitzer-Preisträgerin Elizabeth Kolbert und ist im New Yorker erschienen. Kolbert bezieht sich in dem Artikel unter anderem auf zwei Kognitionswissenschaftler: Hugo Mercier und Dan Sperber. Die wiederum argumentieren: Unsere Vernunft habe sich ursprünglich entwickelt, um die Kooperation zwischen Menschen zu vereinfachen und aufrechtzuerhalten. Der Zweck der Vernunft sei es nicht gewesen, abstrakte Logikfragen zu bewältigen oder die richtigen Schlüsse zu ziehen aus statistischen Informationen. Dementsprechend schlecht kann sie das.

Die Vernunft hatte ursprünglich in erster Linie soziale Funktionen. Die Folge davon: der sogennante „confirmation bias“ oder auch Bestätigungsfehler – also die Tendenz, nur die Informationen zur Kenntnis zu nehmen, die unsere eigene Meinung oder eben die Meinung unserer Gruppe stützen. In anderen Worten: Wir nehmen eher die Informationen auf, die ohnehin unseren Erwartungen entsprechen.

Viel tiefgehender und fundierter sind die Argumente im Originalbeitrag nachzulesen. Empfehlenswert ist Kolberts Text für mich vor allem deshalb, weil er veranschaulicht, wie sehr wir unseren eigenen Meinungen und Urteilen misstrauen sollten. Am größten sollte unser Misstrauen Kolbert zufolge sein, wenn unsere Meinung sehr vehement ist.

„Im Argument einer anderen Person können wir Schwächen sehr gut erkennen. Fast immer sind die Positionen, in denen wir blind sind, unsere eigenen. Diese Einseitigkeit spiegelt, laut den Wissenschaftlern Mercier und Sperber, die ursprüngliche Aufgabe der Vernunft wider: nämlich zu verhindern, dass wir von anderen Mitgliedern unserer Gruppe verarscht werden.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag. (Englisch)

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
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