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Zum Internationalen Hurentag: Warum Sexarbeit?
Zum Internationalen Hurentag: Warum Sexarbeit?
( Link zum Originalbild | Urheber: PublicDomainPictures | Pixabay | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

am 2. Juni 1975 besetzten über 100 französische Sexarbeiterinnen eine Kirche in Lyon, um auf die Kriminalisierung ihres Metiers sowie die daraus resultierenden schlechten und teilweise gefährlichen Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Acht Tage lang dauerte die Besetzung, bis die Polizei die Frauen aus der Kirche entfernte. Seitdem wird weltweit jedes Jahr am 2. Juni, dem internationalen Hurentag, diesem Protest gedacht.

Da es zum Thema Sexarbeit sehr viele verschiedene Meinungen und Stimmen gibt, möchten wir heute gleich mehrere Beiträge empfehlen.

Die Institution der Prostitution beruht auf Misogynie

In diesem Beitrag auf DER FREITAG schreibt die ehemalige Sexarbeiterin Huschke Mau, dass viel zu wenig über die Männer gesprochen wird, die für Sex bezahlen. Freier würden oft als Opfer dargestellt und ihre Bordellbesuche schöngeredet. Aber aus ihrer Erfahrung kann Mau anderes berichten:

„Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie denken, sie hätten ein Recht auf Sex, ihnen wohnt eine gewisse Frauenverachtung inne und sie orientieren sich an einem Bild von Männlichkeit, das vor toxic masculinity trieft. Aber vor allem: Sie wissen oder könnten wissen, dass diese Frauen sich nicht freiwillig und gern unter sie legen. Es ist ihnen schlicht egal.“

 Warum arbeiten Frauen als Sexarbeiterinnen?

In diesem Beitrag im GUARDIAN erzählen drei Frauen, warum sie als Sexarbeiterinnen gearbeitet haben und drei Männer, warum sie Sexarbeit in Anspruch genommen haben.

„Nach der Uni war mein Leben nicht sehr schön. Ich hatte drei schlechtbezahlte Teilzeitjobs und mein Bankkonto war überzogen, also habe ich nach Stellenanzeigen für exotische Tänzerinnen gesucht. In der Uni hatte ich zwei Monate als Stripperin gearbeitet und das Tanzen genossen. Der erste Club, bei dem ich mich beworben hab, war so furchtbar, dass ich nicht zurückgegangen bin und stattdessen Fotos und meine Preise auf einer Escort-Webseite eingestellt habe.“

Was hat das deutsche Prostituiertenschutzgesetz gebracht?

In diesem SZ-Interview erklärt Simone Wiegratz, die Vorstandsmitglied im Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen ist, warum das Prostituiertenschutzgesetz von 2017 in Deutschland eher zu mehr Verunsicherung als Sicherheit geführt hat.

„Seit 2017 gilt das Prostituiertenschutzgesetz. Seitdem müssen sich Frauen beraten lassen und bei den Behörden melden. Was hat sich damit geändert? Ich sehe vor allem eine große Verunsicherung. Der Gesetzgeber hat nicht an die Welt der Prostitution gedacht, als er einem politischen Impetus folgte.“

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

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