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Brauchen wir einen langsameren Journalismus?
Brauchen wir einen langsameren Journalismus?
( Link zum Originalbild | Urheber: PublicDomainPictures | Pixabay | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand. 

Guten Morgen,

täglich bekomme ich mehrere Newsletter, die ich entweder nicht lese oder, und das ist vielleicht noch ärgerlicher, bloß überfliege. Noch ärgerlicher? Ja. Weil mich das Überfliegen in einem Fehlglauben bestärkt: nämlich dem, Bescheid zu wissen, auf dem Laufenden zu sein, Zusammenhänge zu begreifen. Was nicht der Fall ist. Wenn ich jemandem erklären möchte, was ich da überflogen habe, komme ich schnell ins Stottern. Es ist fast nichts hängen geblieben.

In meiner heutigen Empfehlung geht es genau darum: um fehlende Aufmerksamkeit beim Nachrichtenkonsum und um die Schwierigkeiten, die sich daraus für den Journalismus ergeben. Der Text – ein 3400-Wörter-Essay, Lesedauer ca. zwanzig Minuten, und schon allein damit Gegenprogramm zum Schnellschnell-Journalismus – stammt von Michael Luo, Redakteur beim Magazin The New Yorker.

Luo schaut sich unter anderem an, wie soziale Medien unser Leseverhalten verändern. Viele von uns nutzen, schreibt er, die sozialen Medien als Hauptquelle für Nachrichten. Dabei suchten Nutzer selten gezielt nach Informationen, stattdessen begegneten ihnen die Meldungen und Schlagzeilen nebenbei, eingebettet in den Feed. Das wiederum führe dazu, dass uns mehr Themen denn je geläufig seien – allerdings oberflächlich, ohne Tiefe.

Wir neigen dazu, führt Luo aus, unser Wissen zu überschätzen. Erst wenn wir gezwungen sind, unsere Meinung und die sich daraus ergebenden Konsequenzen zu erläutern, gehe uns auf, wie wenig wir tatsächlich verstehen. Sein Fazit: Es kommt auf Tiefe an. Und hier liegt die Verantwortung sowohl bei den Redaktionen als auch bei den Lesern:

„Der Drang hin zu Geschwindigkeit und Lautstärke, erzeugt durch das digitale Zeitalter, kann nicht ignoriert werden – man kann ihm jedoch widerstehen. Selbst wenn Veröffentlichende versuchen, immer schneller zu sein, können sie sich fragen, ob eine detaillierte Berichterstattung in einem bestimmten Bereich die Leser nicht besser informiert. Sie können immer noch erwägen, bestimmte Trendgeschichten auszusetzen, sie können auf breiter Front mehr tun, um sich mit der Komplexität auseinanderzusetzen. Und auch die Leser können erkennen, dass sie von der aktuellen Medienkakophonie schlecht bedient werden.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag. (Englisch)

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
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