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„Infiziert von extremistischem Gedankengut“ – zu Besuch im chinesischen Umerziehungslager
„Infiziert von extremistischem Gedankengut“ – zu Besuch im chinesischen Umerziehungslager
( Link zum Originalbild | Urheber: Preston Rhea | Flickr | CC BY-SA 2.0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

bis vergangenen Oktober leugnete Chinas Regierung, dass es wieder so etwas wie Umerziehungslager gebe. Mittlerweile rechtfertigt China die „Ausbildungszentren“ als Maßnahme, die muslimische Minderheit im Nordwesten des Landes zu erziehen und zu entradikalisieren – als Kampf gegen islamistischen Terror also. In den vergangenen Jahren hat es mehrfach Unruhen, Kämpfe und Anschläge in der Region Xinjiang gegeben – mit Beteiligung der Uiguren, einem muslimischen Turkvolk. Die Uiguren werden in China unterdrückt, ihre Moscheen zerstört. Schätzungen zufolge befinden sich Hunderttausende von ihnen in den Umerziehungslagern.

Um zu beweisen, dass es sich bei den Einrichtungen um keine „Internierungslager“ handelt (Vorwurf der Türkei), haben chinesische Offizielle eine kleine Gruppe von Auslandsjournalisten eingeladen, ein solches Lager in Kashgar zu besuchen. Unter den Journalisten: Matthias Kamp, jahrelanger Asien- und China-Korrespondent.

In seinem Bericht für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG kommt Kamp zu dem Schluss: Der Schein eines Ausbildungszentrums trügt, auch wenn Kamp vor allem junge Lager-Bewohner antrifft. Mandarin und Gesetze lernen, nähen und malen – all das passiere innerhalb von Sicherheitszäunen und Überwachungskameras und keinesfalls freiwillig.

Kamps Beitrag ist einerseits lesenswert, weil er als einer von wenigen Journalisten Einblick in eine sonst abgeschottete Welt erhält. Andererseits, weil er auch über die Umstände seiner mehrtägigen Reise berichtet – denn natürlich ist der Besuch so glatt inszeniert wie möglich: Die Journalisten hätten von morgens bis abends ein Programm vorgesetzt bekommen – um tiefergehende Recherchen zu verhindern, meint Kamp. Die Aufseher hätten die Journalisten zwar zu Interviews mit den Lager-Bewohnern ermuntert, die Antworten hätten allerdings einstudiert geklungen.

„Mahmut, der Direktor des Camps in Kashgar, ist vom Erfolg seines Konzeptes offenbar überzeugt. Er will große Fortschritte bei der Deradikalisierung der Insassen festgestellt haben. Außerdem seien extremistische und terroristische Neigungen bei vielen Insassen zurückgegangen, sagt Mahmut. ‚Dadurch haben wir mögliche Anschläge schon im Vorfeld verhindert.‘ Wie er diese Fortschritte misst, kann der Lageraufseher allerdings nicht sagen.“

 

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Wer steckt dahinter?

Joshua Müller
Kommt aus:Gladenbach in Hessen
Politische Position:Aktives Mitglied der Zuhörer, denn jede Stimme ist wahr- und ernst zu nehmen
Arbeitet für/als:Studiert Medienkommunikation an der Ostfalia Hochschule in Salzgitter und hat bereits für Lokalzeitungen wie auch für das Newsportal Campus38 geschrieben
Was Sie noch wissen sollten:Joshua nerven Populismus, Intoleranz und ständige Scherze über seinen Lieblingsverein Schalke 04
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