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So funktionieren Arbeitslosenversicherungen auf anderen Kontinenten
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( Link zum Originalbild | Urheber: Free-Photos | Pixabay | CC0 )

Das Argument in Kürze:

Wer seinen Job verliert, bekommt finanzielle Unterstützung vom Staat. Das ist das typische Prozedere in Sozialstaaten wie Deutschland und anderen europäischen Staaten. Die Arbeitslosenversicherungen sind dabei weltweit unterschiedlich aufgebaut, manche sind großzügiger als andere. Die wenigsten aber wissen, wie solche Systeme konkret in anderen Ländern aufgebaut sind – noch dazu auf anderen Kontinenten. Ein Beitrag des britischen GUARDIAN gibt einen detaillierten Überblick über zwölf verschiedene Systeme auf vier Kontinenten der Erde.

 

Verallgemeinerungen sind nicht möglich

Was auf den ersten Blick trocken wirkt, ist bei genauerem Lesen hochinteressant. Die Fallstudien der internationalen Korrespondenten des GUARDIAN zeigen, dass sich Aussagen über Arbeitslosenversicherungen weltweit schlecht allgemein formulieren lassen. Das mag nicht überraschen. Jedes Land hat schließlich unterschiedliche Vorstellungen, wie sie Menschen ohne Arbeit aushelfen. Nichtsdestotrotz gibt es Gemeinsamkeiten: Es hat sich bei allen Ländern die Vorstellung durchgesetzt, dass zwar unterschiedliche Maßnahme für Menschen ergriffen werden, die aus unterschiedlichen Gründen keiner Arbeit nachgehen. Aber dass überhaupt geholfen wird, ist eindeutig. So wird strukturell unterschieden, ob Menschen keinen Job haben, obwohl sie arbeitsfähig – also gesund – sind, sie wegen eines Krankheitsfalls nicht arbeiten können, sie eine langwierige Behinderung haben oder sie zu alt sind und daher nicht mehr arbeiten müssen. Im letzten Fall greift die Rentenversicherung, die im Alter für die „Arbeitslosigkeit“ der alten Bevölkerung aufkommt. In den ersten drei Fällen greift entweder die Arbeitslosenversicherung des jeweiligen Landes oder zusätzlich noch die Kranken- und Pflegeversicherung.

Wer sich dafür interessiert, wie mit den unterschiedlichen „Arbeitslosen“ umgegangen wird, sollte den Originalbeitrag lesen. Genauere Informationen gibt es zu Deutschland, Estland, Frankreich, Irland, Italien, Japan, Norwegen, Schweden, Russland, San Marino, Südafrika und den USA. Ein Blick auf die außereuropäischen Systeme aus Japan, Südafrika und den USA zeigt, dass Japan am fortschrittlichsten unter ihnen aufgestellt ist, die USA für europäische Verhältnisse äußerst rückständig sind und Südafrika – für viele überraschend, die sich wenig mit Afrikapolitik beschäfigen – ein solides Sozialversicherungssystem aufgebaut hat, aber äußerst streng und restriktiv ist, was die Vorrausetzungen für die Auszahlung von Arbeitslosengeld betrifft.

Kontrovers dürfte außerdem die Beobachtung sein, dass Deutschland mit seinem dualen System aus Arbeitslosengeld I und II im Vergleich zu den drei außereuropäischen Staaten verhältnismäßig gut dasteht: So erhalten Deutsche ab einem Anstellungszeitraum von mindestens einem Jahr Arbeitslosengeld I in Höhe von 60 Prozent bis zu zwei Drittel ihres letzten Gehaltes für ein bis maximal zwei Jahre, abhängig von ihrem Alter und der Dauer des letzten Arbeitsverhältnisses.

Im Vergleich:

  • In Japan erhalten alle, die ihren Job verloren haben, 50-80 Prozent des Monatseinkommens. Der Zeitraum, für den die Arbeitslosen diese Unterstützung bekommen, variiert zwischen 90 Tagen und einem Jahr. Arbeitslose zwischen 45 und 59 Jahren, die mehr als 20 Jahre gearbeitet haben, erhalten 12 Monate Arbeitslosengeld, während Arbeitslose zwischen 60 und 64 acht Monate Beiträge erhalten. Alle, die weniger als ein Jahr lang bei einer Firma waren und arbeitlos werden, erhalten 90 Tage lang Arbeitslosengeld in Japan, solange sie für mindestens 20 Stunden pro Woche für länger als 31 Tage gearbeitet haben.
  • In Südafrika wird die Höhe des Arbeitslosengeldes abhängig vom Einkommen zwischen 38 Prozent für die sehr gut bezahlte Arbeit (genaue Angaben fehlen) bis 58 Prozent für die am schlechtesten bezahlten Arbeitskräfte ausgezahlt. Südafrikaner erhalten nur unter bestimmten Bedingungen Arbeitslosengeld: Wenn ihr Vertrag ausläuft oder gekündigt wird und nur so lange, bis der Betrag aufgebraucht ist, den sie in das System in Form ihrer Arbeitslosenversicherungsbeiträge einbezahlt haben. Wenn sie ihren Job selbst gekündigt haben oder sich bei der Arbeit nicht regelgemäß verhalten, haben sie kein Anrecht auf Arbeitslosengelder.
  • In den USA ist das Arbeitslosensystem im Vergleich zu anderen Wohlfahrtsstaaten in Europa sehr strikt. Die Mindestdauer von Zahlungen ist in den USA auf Bundesstaatenebene geregelt. In manchen Staaten gibt es nach Jobverlust nur Anrecht auf Arbeitslosengeld für einen Zeitraum von 14 Wochen – 12 weniger als die 26 Wochen, die von der nationalen Regierung vorgeschlagen werden. Bloß einer von vier Arbeitslosen wird überhaupt bei der Vergabe von Arbeitslosengeld von der Arbeitslosenversicherung berücksichtigt.

 

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Felix Friedrich.

Wer steckt dahinter?

Chie Matsumoto, Justin McCurry, Mary O'Hara, David Smith
Kommt aus:Tokyo, Los Angelos und Washington D.C.
Arbeitet für/als:Die vier Journalisten sind allesamt internationale Korrespondenten für den Guardian und erfahrene Journalisten. Matsumoto arbeitet aus Tokyo für verschiedene Zeitungen (Nikkei Asian Review, The Japan Times, Columbia Journalism Review), McCurry ist der Japan-Korrespondent des Guardian, O'Hara ist eine preisgekürte US-Journalistin, die 2017 als internationale Kolumnistin des Jahres von den LA Press Club Awards ausgezeichnet worden ist, Smith ist Leiters des Guardian-Büros in Washington D.C.
Was Sie noch wissen sollten:Insgesamt haben an dem Beitrag elf Journalisten aus aller Welt mitgearbeitet.
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