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Japans Arbeitswelt muss weiblicher werden
Japans Arbeitswelt muss weiblicher werden
( Link zum Originalbild | Urheber: sofi5t | pixabay | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

nüchtern und schlicht wirkte die Zeremonie, mit der Japans Kaiser Akihito vergangene Woche nach 30-jähriger Amtszeit seinen Platz auf dem Chrysanthementhron räumte. Nun folgt ihm sein Sohn Naruhito als 126. Tenno ins Amt. Wieder einmal ein Mann also. Nur acht Frauen haben in der über 2600-jährigen Ahnenreihe die Funktion des „Himmlischen Herrschers“ bekleidet. Allerdings übten auch sie nur eine symbolische Rolle aus, während ihre Ehemänner als Prinzregenten die Geschicke des Inselstaates lenkten.

Auch außerhalb des Kaiserpalastes – beispielsweise in der Arbeitswelt – kommt Frauen in Japan oft nur eine untergeordnete Rolle zu. Gut ausgebildet, finden viele von ihnen nur unterqualifizierte Anstellungen. Die Geschäftswelt Japans ist männlich geprägt.

Das könnte sich bald erheblich ändern, prophezeit der britische Journalist und Autor Bill Emmott. Im Beitrag „Japan‘s female future“ für das US-amerikanische Wirtschaftsmagazin STRATEGY+BUSINESS sieht er auf Japans Frauen und die gesamte Gesellschaft des Landes große Veränderungen zukommen.

Mit Blick auf die Gleichberechtigung im Land erscheint dieser Wandel durchaus geboten. Verglichen mit anderen fortschrittlichen Demokratien seien die Zustände auf diesem Gebiet in Japan miserabel. Im Gender Gap Index des Weltwirtschaftsforums rangiert Japan zwischen Mauritius und Belize auf Platz 110, so Emmott. Da sei es kaum ein Trost, dass Nachbar Südkorea in dieser Rangliste Platz 115 einnehme.

Viele Japanerinnen seien gut ausgebildet. Die Zahl der Frauen mit einem höheren Bildungsabschluss wachse. Dennoch arbeite rund ein Drittel der Frauen in Teilzeit. Beinahe ebenso viele Frauen fühlen sich für ihren Job überqualifiziert, berichtet Emmott. Ein Wandel sei daher dringend geboten. Japans Gesellschaft werde immer älter. Männer allein könnten den Bedarf an Arbeitskraft kaum decken.

Bisher allerdings sei es für viele Japanerinnen schwer, eine adäquate Anstellung zu finden. Kaum ein großes Unternehmen im Land werde von einer Frau geleitet, kaum eine Frau stehe einer wichtigen Institution vor. Auch in der Politik setze sich diese Missverhältnis fort. Das japanische Unterhaus besteht zum Beispiel nur zu einem Zehntel aus Frauen, so Emmott.

Doch allmählich wachse auch bei der Regierung unter Shinzo Abe das Bewusstsein für den nötigen Wandel. Man muss „Frauen leuchten lassen“, propagiert der Premier. Und tatsächlich wachse bei jüngeren Japanerinnen das Gefühl, gerechter behandelt zu werden. Ihnen voran seien Frauen gegangen, die für ein gleichberechtigtes Japan den Weg ebneten. Als Beispiel nennt Emmot die Gouverneurin von Tokyo – Yuriko Koike. Sie begann ihre Karriere als Fernsehjournalistin. Ihr Weg ist jedoch bisher kaum die Regel in Japan, räumt der Journalist ein:

„Koike ist eine Ausnahme, keine Regel – besonders in ihrer Generation (sie ist 66). Dennoch wird sie ein Vorgeschmack auf das sein, was kommen wird, wenn jüngere Generationen von Frauen in den 2020ern und 30ern durch die Reihen von Wirtschaft und Politik aufsteigen werden.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

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Wer steckt dahinter?

Patrick Ehrenberg
Kommt aus:Deutschland
Was Sie noch wissen sollten:Patrick Ehrenberg hat Lusitanistik und Französistik in Leipzig und Lissabon studiert und ist Master der Romanischen Studien. Er ist als freier Autor tätig.
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