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Warum die Debatte um Caster Semenya mehr mit Rassismus und Misogynie zu tun hat als mit Sport
Warum die Debatte um Caster Semenya mehr mit Rassismus und Misogynie zu tun hat als mit Sport
( Link zum Originalbild | Urheber: Yann Caradec | Flickr | CC BY-SA 2.0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

die südafrikanische Mittelstreckenläuferin Mokgadi Caster Semenya war letzte Woche überall in den Schlagzeilen. Am 1. Mai entschied der Leichtathletikverband IAAF (International Association of Athletics Federation), dass Athletinnen mit erhöhtem Testosteronspiegel diesen künftig mithilfe von Medikamenten senken müssen, um an Mittelstreckenrennen teilnehmen zu dürfen. Die Debatte, ob Semenya aufgrund ihres höheren Testosteronwerts überhaupt an Frauenwettkämpfen teilnehmen dürfe, läuft schon seit 2009, als Semenya die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin gewann.

Befürworter der IAAF-Entscheidung argumentieren, dass Frauen mit höherem Testosteronwert schneller und kräftiger sind als andere – und dass Semenya deshalb einen unfairen Vorteil ihren Mitläuferinnen gegenüber habe. Die Journalistin Danielle Dash findet, das sei völliger Unsinn. Die Debatte um Semenya habe viel mehr mit Rassismus und Misogynie zu tun als mit dem Sport selbst. In einem Beitrag für HUCKMAG schreibt Dash, dass es bei Männern schließlich völlig egal sei, wie hoch ihr Testosteronspiegel sei. Zudem gebe es keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Frauen mit höherem Testosteronlevel Vorteile im Sport haben.

Von Anfang an hätten sowohl Semenyas Mitläuferinnen als auch viele Medien daran gezweifelt, dass Semenya wirklich eine Frau sei. Die Art und Weise wie ihr Körper und ihre Genitalien öffentlich diskutiert wurden sei nicht nur extrem unangebracht, sondern auch rassistisch gewesen. Dash schreibt, dass Frauenkörper nicht nur Männern zu gefallen haben, sondern zusätzlich dem Modell von weißen, europäischen Cis-Frauen* entsprechen sollen. Caster Semenya sei ein Beispiel dafür, was passiere, wenn das nicht der Fall ist.

„Frauen müssen stark und kraftvoll sein, ohne so auszusehen. Ihre Körper müssen begehrenswert für Männer sein und sie nicht einschüchtern, und sie müssen ein funktionierendes, traditionelles Fortpflanzungssystem beinhalten. Wenn der Körper einer Sportlerin nicht in diese klar definierten Grenzen passt – und dann auch noch die Frechheit besitzt, zu gewinnen – wird die Besitzerin dieses Körpers in der Öffentlichkeit verachtet und beschämt werden.“

* Cis-Menschen identifizieren sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit. 

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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