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Ist unser Blick auf Chinas Wirtschaftspolitik zu kritisch?
Ist unser Blick auf Chinas Wirtschaftspolitik zu kritisch?
( Link zum Originalbild | Urheber: edwindoms610 | Pixabay | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

vor einigen Tagen endete in Peking der „Seidenstraßen“-Gipfel. Die chinesische Regierung möchte ein neues Handelsnetzwerk zwischen Asien, Afrika und Europa etablieren, sie hatte deshalb 37 Staats- und Regierungschefs eingeladen. Die Berichterstattung in deutschen Medien über das chinesische Großprojekt war von Anfang an kritisch. In einer ZDF-Reportage ist die Rede von Chinas Griff nach Westen“. In der Süddeutschen Zeitung kommentierte Lea Deuber, es sei Zeit, sich gegen China zu wehren.

Meine heutige Empfehlung hinterfragt diese Position. Sie stammt von Sha Hua, Peking-Korrespondentin beim Handelsblatt. Hua argumentiert, dass China durchaus bereit sei, faire Verträge auszuhandeln. Das Land habe kein Interesse daran, Staaten in eine Schuldenfalle zu locken. Hua versucht das anhand eines Beispiels zu belegen: Bei einem Geschäft mit Malaysia – es ging darin um den Bau einer Eisenbahnroute – sei China umgehend bereit gewesen, den Vertrag nachzuverhandeln, als es Malaysias Ministerpräsident wegen „unausgewogener Bedingungen“ auf Eis legte.

Huas Schlussfolgerung: China wisse, dass alle Beteiligten von den gemeinsamen Projekten profitieren müssten, denn sonst komme keine nachhaltige Finanzierung zustande. Anders formuliert: China macht faire Geschäfte – aus Eigeninteresse. So zumindest das Argument der Journalistin.

Darüber hinaus zitiert Hua, um die Kritik an Chinas Wirtschaftspolitik zu hinterfragen, eine Studie der Johns Hopkins University aus Baltimore: Die widerspreche der gängigen Behauptung, China mache einkommensschwachen Staaten durch Kredite von sich abhängig, gerade in Afrika. Denn die Studie zeige, dass afrikanische Staaten in Europa genauso große Schulden hätten, etwa beim Pariser Club oder bei Credit Suisse.

Obwohl Huas Kommentar zu kurz ist für eine wirklich tiefgehende Analyse, so zeigt er doch, dass die Perspektive deutscher Medien auf Chinas Politik möglicherweise voreingenommen ist. Allein schon deshalb ist er lesenswert.

„Viele Entwicklungsländer sind einkommensschwach, aber sie sind nicht naiv oder bloß passive Opfer von externen Mächten und höheren Gewalten. Sie haben bewusst und willens Chinas Angebote auserkoren. Manchmal zwar, weil es kein anderes gab. Oft aber, weil sich die Angebote anderer Anbieter als untauglich herausgestellt haben und das chinesische das bessere war.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
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