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Was wir von Hannah Arendt über Streitkultur lernen können
Was wir von Hannah Arendt über Streitkultur lernen können
( Link zum Originalbild | Urheber: Interculture01 | Pixabay | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

innenpolitisch ist gerade nichts los, alle sind verreist. Das zumindest schrieb die Journalistin Melanie Amann im gestrigen SPIEGEL-Newsletter. Während aber Amann auf das Ausland verweist, um unser Bedürfnis nach Schlagzeilen und Meldungen trotzdem zu stillen, möchte ich heute einen älteren Text empfehlen – also die Pause nutzen, um kurz mal grundsätzlich zu werden.

Gemeint ist ein Vortrag, den Hannah Arendt 1954 in den USA gehalten hat. Es geht darin, am Beispiel von Sokrates, um die Frage, wie eine politische Streitkultur aussehen kann – aussehen sollte. Eine Frage, die relevanter ist denn je, bedingt durch Politik-per-Twitter oder auch alternative Fakten. Arendt analysiert, dass die Wahrheit, sobald sie in eine politische Öffentlichkeit getragen wird, zur Meinung unter Meinungen wird. Nur weil eine Behauptung wahr ist, heißt das nicht, dass sie sich letztlich im politischen Kampf durchsetzen muss.

Arendt spricht sich aber nicht gegen Meinungsvielfalt aus. Im Durcheinander der Meinungen sei Wahrheit oft ohnehin ein zu großer Begriff. Im Gegenteil verteidigt sie die Pluralität der Meinungen als entscheidend für die Demokratie, weil Pluralität Vielfalt bedeute. Allerdings setzt Arendt voraus, dass die Menschen – ganz besonders die Politiker – tatsächlich sagen, was sie denken, und nicht die Sprache als Instrument missbrauchen, um eigene Interessen durchzusetzen. Das erfordere echten Lösungswillen.

Und an erster Stelle Reflexion:

„Denn zu wissen, wie einem die Welt erscheint, ist nicht so leicht. Es ist viel schwerer, als eine Wette darauf einzugehen, welche Meinung sich wohl durchsetzen wird oder mit welcher Mehrheitsmeinung man am ehesten eigene Machtinteressen befördern kann.“

 

Rainer Erlinger fasst Arendts Thesen in der Süddeutschen Zeitungen anschaulich zusammen:

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
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2 Gedanken zu “Was wir von Hannah Arendt über Streitkultur lernen können

    1. Hallo Norb, danke für den Hinweis. Wir sind dem bereits vor einigen Tagen nachgegangen, haben aber versäumt hier zu antworten. Für uns ist der Originalbeitrag auf der Süddeutschen nicht gesperrt, nur mit AdBlocker lässt sich der Beitrag nicht lesen. Wenn man den AdBlocker aber ausschaltet, kann man den Beitrag ohne Probleme lesen. Vielleicht schauen Sie noch einmal nach, ob es daran gelegen hat.

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