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Wie schaut Moskau auf die Stichwahl in der Ukraine?
Wie schaut Moskau auf die Stichwahl in der Ukraine?
( Link zum Originalbild | Urheber: Congress of Local and Regional Authorities | Flickr | CC BY-ND 2.0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

der bevorstehende Ostersonntag ist ein Tag der Entscheidung – jedenfalls für die Bürger der Ukraine. Sie entscheiden in einer Stichwahl über den nächsten Präsidenten ihres Landes. In der ersten Wahlrunde hatte sich der TV-Comedian Wolodymyr Selensky mit rund 30 Prozent der Wählerstimmen an die Spitze gesetzt; er tritt nun in der Stichwahl gegen den Amtsinhaber Petro Poroschenko an.

Auf welchen Sieger hofft der Kreml?

Dass die Führung Russlands mit großem Interesse auf die Stichwahl in der Ukraine schaut, dürfte keine Überraschung sein. Wir empfehlen dazu heute Interview mit dem Polit-Strategen Gleb Pawlowski, der wesentlich am Aufbau des Machtsystems von Präsident Wladimir Putin beteiligt war, heute aber als regime-kritisch gilt. Das Onlineportal DEKODER veröffentlichte eine aus dem Russischen übersetzte Fassung des Gesprächs aus der Novaya Gazeta.

Für Russlands Führung sei Selensky weniger berechenbar als Poroschenko, erklärt Gleb Pawlowski. Gleichzeitig ist Selensky aus Sicht des Kreml ein schwacher Kandidat, da er über wenig Rückhalt im Militär und im politischen Establishment der Ukraine verfüge. Auch da er nur wenig Ukrainisch spricht, würde er wohl – falls er die Wahl gewinnt – bei Teilen der Bevölkerung einen schweren Stand haben.

Sollte es nach der Wahl zu politischen Verwerfungen kommen oder sollte Selensky Misserfolge einfahren, könnte die russische Propaganda dies als weiteres Zeichen einer „ukrainischen Dummheit“ darstellen und daraus im eigenen Land Kapital schlagen, prophezeit der frühere Putin-Vertraute.

Russland ist völlig anders

Pawlowski beklagt in dem Interview auch eine zu starke Fixierung russischer Politiker auf die Ukraine – diese sei, angesichts der vielen Probleme im eigenen Land, „schlichtweg Irrsinn“.

Dass russische Machthaber aber durch einen Politik-Außenseiter nach Vorbild des TV-Comedians Selensky in Bedrängnis gebracht werden könnten, hält Pawlowski für ausgeschlossen. In Russland funktioniere die Politik völlig anders.

Das Beispiel Selenskys zeige allerdings, dass der derzeitige Populismus sich nicht auf Figuren wie Trump oder Orbán beschränkt, die durch ein klarer Feindbild erfolgreich seien.

 „Selensky wird es schwerfallen, die Anerkennung der gesamten Ukraine zu bekommen, und es wird einen gewissen Einbruch geben, eine Pause, in der Moskau in das Spiel einsteigen kann. […] Es ist zwar gefährlich, aber der Kreml wird auf eine Chaotisierung des Spielfelds abzielen.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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