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Wie Textgeneratoren lernen, typisch männlich zu schreiben
Wie Textgeneratoren lernen, typisch männlich zu schreiben
( Link zum Originalbild | Urheber: Courtney Corlew Follow Message | Unsplash | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

heutzutage können Maschinen nicht nur sprechen – man denke an Siri oder Alexa – sondern sie lernen mittlerweile auch, eigenständig Texte zu verfassen. Die US-amerikanische Firma OpenAI forscht an künstlicher Intelligenz und hat kürzlich einen neuen Textgenerator namens GPT-2 entwickelt. Im Februar wurde jedoch bekannt, dass die Firma den Textgenerator nicht veröffentlichen würde, weil er so gut funktioniere, dass die Forscher sich über Missbrauch Sorgen machten. Fake News zum Beispiel könne mit GPT-2 sehr einfach, schnell und in großen Mengen hergestellt werden.

Textgeneratoren sind vermutlich ein Albtraum für alle, die sich mit dem Schreiben ihren Lebensunterhalt verdienen. Doch das ist nicht das einzige Problem an dieser neuen Technologie. Die Autorin und Literaturwissenschaftlerin Kirsten Menger-Anderson zieht in einem Beitrag für THE ESTABLISHMENT den Schluss, dass Textgeneratoren das in der Gesellschaft vorherrschende Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern reproduzieren.

Textgeneratoren lernen von männlichen dominierten Textkorpora

Um selbst zwei Textgeneratoren das Schreiben beizubringen, suchte Menger-Anderson in verschiedenen Textkorpora nach Texten von männlichen und weiblichen Autoren. Dabei habe sie bemerkt, dass in vielen Textsammlungen männliche Autoren überdurchschnittlich repräsentiert seien. Menger-Anderson zitiert eine Studie, die herausgefunden habe, dass Männer und Frauen unterschiedlich schreiben. Männer würden bestimmte Nomen, wie „Mann“, sehr häufig verwenden – bei Frauen überwiegten dagegen bestimmte Verben, beispielsweise „denken“.

Textkorpora seien daher von männlichen Autoren und damit auch von einem „typisch männlichem“ Schreiben geprägt. Wenn Textgeneratoren nun mithilfe solcher Korpora das Schreiben lernen, bilden die entstehenden Texte auch den vorherrschenden männlichen Schreibstil ab. Menger-Anderson sieht darin ein Problem:

„Nicht alle Menschen, die über Technologie schreiben, sind Männer. Aber die Wörter und Assoziationen, die künstliche Intelligenz vom Trainingskorpus erlernt, erzählen eine andere Geschichte.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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