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Colonia Dignidad: „Eines der düstersten Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte“
Colonia Dignidad: „Eines der düstersten Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte“
( Link zum Originalbild | Urheber: Robert Brands | Flickr | CC BY-ND 2.0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

von Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Richtung Südamerika ausgewandert sind, hören wir höchstens im Geschichtsunterricht oder im TV-Nachtprogramm von Doku-Kanälen – Stichwort Nazi-Flucht. Einen anderen Hintergrund besitzt die Colonia Dignidad, zu Deutsch Würdenkolonie: Die Siedlung im Zentrum Chiles entstand 1961 durch die Gefolgschaft des deutschen Predigers Paul Schäfer.

Die Geschichte der Kolonie liest sich wie ein Horrorfilm: In der Gemeinde herrschten bis in die 1990er-Jahre Isolation, Feldarbeit, Beichtzwang und Folter durch Prügel oder Elektroschocks. Sektenführer Schäfer missbrauchte zahlreiche Kinder. Gegner des befreundeten Diktators Augusto Pinochet wurden auf dem umzäunten Areal gefoltert und getötet.

Das Investigativportal CORRECTIV hat sich dieser Geschichte in einem Longform-Stück angenommen. Die Autoren Marcus Bensmann, Ruth Fend und Bastian Schlange sind nach Chile gereist, haben Akten des Auswärtigen Amts gefilzt und Opfer befragt, die teils vergessen und vergeben wollen, teils um Gerechtigkeit kämpfen. Denn die Chance auf ebendiese Gerechtigkeit schwindet: Viele der Verantwortlichen sind tot, manche bis heute unbestraft.

Gerade deshalb ist der CORRECTIV-Beitrag lesenswert: Die Reporter interviewten den einzig noch inhaftierten Verurteilten Gerhard Mücke im chilenischen Gefängnis – mit Kniffen wie Bibel-Psalmen und Dresdner Christstollen.

„Wenn Mücke von all dem Guten im ‚Fundo‘, wie die Bewohner die Kolonie oft nennen, spricht, changiert sein Ton zwischen schwärmerisch und trotzig. ‚Ein blühendes Paradies‘, nennt er es. Das Krankenhaus. Der Chor. Das Orchester. Auch den chilenischen Kindern wurde dort ‚ein tolles Leben‘ geboten, die Eltern schickten sie freiwillig. Wäre da nur nicht der Missbrauch: ‚Schäfer hat alles kaputt gemacht.‘“

 

Übrigens:

Die Siedlung südlich von Santiago de Chile besteht noch heute: Unter dem Namen Villa Baviera (wie im Titelbild zu sehen) wird auf Tourismus gesetzt – getreu dem Namen „Bayerisches Dorf“ wird auf Oktoberfesten Schweinshaxe und Bier serviert. „Das ist, als ob man einen McDonalds nach Buchenwald stellt“, sagt Ex-Siedler und Rechtsanwalt Winfried Hempel.

 

Hier entlang zum Originalbeitrag

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus unsere Debattenübersichten zu den wichtigsten politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Joshua Müller
Kommt aus:Gladenbach in Hessen
Politische Position:Aktives Mitglied der Zuhörer, denn jede Stimme ist wahr- und ernst zu nehmen
Arbeitet für/als:Studiert Medienkommunikation an der Ostfalia Hochschule in Salzgitter und hat bereits für Lokalzeitungen wie auch für das Newsportal Campus38 geschrieben
Was Sie noch wissen sollten:Joshua nerven Populismus, Intoleranz und ständige Scherze über seinen Lieblingsverein Schalke 04
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