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Brunei: Warum Großbritannien mehr Einfluss hat als UN-Appelle und Hotelboykotts
Brunei: Warum Großbritannien mehr Einfluss hat als UN-Appelle und Hotelboykotts
( Link zum Originalbild | Urheber: Christian Sterk Follow Message | Unsplash | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

wenn man lesbisch, bisexuell oder schwul ist und in Brunei lebt, hat man seit letzter Woche ein ziemlich großes Problem. Am 3. April hat der Sultan Hassanal Bolkiah in dem kleinen Staat in Südostasien Strafrechtsverschärfungen eingeführt, die unter anderem beinhalten, dass Sex zwischen Männern unter Todesstrafe durch Steinigung steht und Sex zwischen Frauen mit Stockhieben und Gefängnisstrafe geahndet wird. Zwar sei die Beweispflicht sehr streng, aber die Auswirkungen der neuen Rechtslage auf die LGBTQ-Communityist trotzdem verheerend. Aus Angst, verraten zu werden, würden sich queere Menschen immer mehr voneinander und von anderen isolieren – manche würden auch überlegen, das Brunei zu verlassen. Auch in benachbarten Ländern wie Indonesien und Malaysia fürchten Viele, dass Anhänger eines konservativen Islams mehr Einfluss gewinnen und sexuelle sowie religiöse Minderheiten darunter leiden werden.

Internationale Kritik kommt von der UN und von George Clooney

Die Strafrechtsverschärfungen sind international auf viel Kritik gestoßen. Die Hohe Kommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen Michelle Bachelet hat das Vorgehen des Sultans scharf verurteilt. Prominente wie George Clooney haben dazu aufgerufen, die Luxushotels des Sultans von Brunei nun aus Protest zu boykottieren. Warum das vermutlich alles nicht bringen wird, zeigt der Menschenrechtsanwalt Suraj Girijashanker, der selbst in Brunei geboren wurde.

In einem Beitrag für THE INDEPENDENT schreibt Girijashanker, dass die Strafrechtsverschärfungen nicht nur eine Frage von Menschenrechten sind, sondern auch im Kontext von Macht gesehen werden müssen. Der Sultan wolle seine Macht mithilfe der Unterstützung von konservativen Muslimen festigen – auf Kosten queerer Menschen, Frauen, denen als Strafe für eine Abtreibung Auspeitschung droht, und Menschen, die kriminalisiert werden, wenn sie Kindern andere Religionen außer dem Islam nahe bringen.

Großbritannien hat ein effektives Druckmittel

Weil die Strafrechtsverschärfungen für den Sultan also ein politisches Mittel sei, werde aller internationaler Aufruhr vermutlich keinen großen Effekt haben, schätzt Girijashanker. Einzig Großbritannien habe ein effektives Druckmittel gegen den Sultan in der Hand: Seit 1962 wird Brunei von Großbritannien militärisch unterstützt. Noch heute befinden sich etwa 2.000 britische Soldaten in Brunei. Das Verteidigungsabkommen werde alle fünf Jahre erneuert – im Februar 2020 müsse über eine Verlängerung entschieden werden. Hier habe Großbritannien die Chance, sich entschieden für Menschenrechte auszusprechen und den Sultan nicht länger zu unterstützen.

„In dieser neuen Ära des Sultanats, sieht es so aus, als wäre das Verteidigungsabkommen eine Gelegenheit für Großbritannien sein wahres Gesicht als Vorkämpfer für Menschenrechten auf der ganzen Welt zu zeigen.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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