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Klimaschutz: Seegras und Mangroven können das besser als jede Technik
Klimaschutz: Seegras und Mangroven können das besser als jede Technik
( Link zum Originalbild | Urheber: Free-Photos | Pixabay | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

vor rund anderthalb Monaten haben Dario Nassal und ich im Buzzard-Podcast „Raus aus der Filterblase“ die Frage diskutiert, ob der Kapitalismus das Klima retten kann. Warum diese Frage? Der Grundgedanke war ein pragmatischer: Aller Voraussicht nach wird der Kapitalismus auf lange Sicht das bestimmende Wirtschaftssystem bleiben – wie also kann man seine (bisher größtenteils klimaschädlichen) Mechanismen umkehren, um sie im Kampf gegen den Klimawandel einzusetzen? Wir dachten uns, bloß keine Utopien. Lieber konkret schauen, was wirklich möglich ist.

Ähnlich pragmatisch sind die Ansätze, die der Guardian-Journalist George Monbiot beschreibt. In seiner wie immer lesenswerten Kolumne zum Klimawandel geht er von der Annahme aus, dass es nicht ausreicht, den Ausstoß von CO2 zu reduzieren, wenn wir das 1,5-Grad-Ziel des Weltklimarats erreichen wollen. Stattdessen sei es nötig, bereits freigesetztes CO2 „einzufangen.

Das geht tatsächlich. Nennt sich „Carbon Dioxide Removal“, also Kohlendioxidentfernung. Und Monbiot erläutert die verschiedenen technischen Möglichkeiten – etwa das Filtern von CO2 direkt aus der Luft.

Dann aber erklärt er unvermittelt: Technik brauchen wir für das Einfangen von CO2 gar nicht. Die besten, weil effektiveren und billigeren Maßnahmen seien „natürliche Klimalösungen“. Damit meint er die Wiederherstellung von lebenden Systemen. Nur ein Beispiel: das Schützen und Aufforsten von Wäldern, gerade in Küstenlebensräumen – Mangrovenwälder, Salzwiesen, Seegras; diese Ökosysteme können, so Monbiot, Kohlendioxid 40-mal schneller absorbieren als tropische Regenwälder.

Er erklärt noch weitere Maßnahmen – Regeneration von Torf, Einschränkung von industrieller Fischerei, Schutz von Wolfspopulationen in Nordafrika – und formuliert abschließend einen treffenden Gedanken: Solche Maßnahmen sind deshalb so attraktiv, weil sie ohnehin notwendig sind. Naturschutz und Klimaschutz lassen sich hier wunderbar zusammenführen.

Monbiot schränkt allerdings ein:

„Wir wollen nicht, dass natürliche Klimalösungen zum Ersatz werden für die schnelle und umfassende Verringerung des CO2-Ausstoßes in unseren Volkswirtschaften. Denn die Wissenschaft sagt uns, dass wir beides brauchen: Das Zeitalter der CO2-Kompensation ist vorbei. Dieses spannende Forschungsfeld zeigt jedoch, dass Schutz und Wiederherstellung der weltweiten Ökosysteme nicht nur eine ästhetisch ansprechende Sache sind. Sie sind eine wesentliche Überlebensstrategie.

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
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