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Die Regulierungen gefährden 1,8 Millionen Arbeitsplätze in der Autoindustrie
Die Regulierungen gefährden 1,8 Millionen Arbeitsplätze in der Autoindustrie
( Link zum Originalbild | Urheber: Jordi Bernabeu Farrús | flickr.com | CC-BY-SA 2.0 )

Das Argument in Kürze

Ein Scheitern der deutschen Autoindustrie könnte schwerwiegende Folgen für die gesamte Wirtschaft der Bundesrepublik haben, warnen die WIRTSCHAFTSWOCHE-Autoren Martin Seiwert und Stefan Reccius. In keiner anderen Volkswirtschaft habe die Autoindustrie einen solch großen Stellenwert wie in Deutschland. Hunderttausende Jobs seien vom Wohl und Wehe der großen Fahrzeugbauer abhängig. Das Autofahren beispielsweise über den Diesel stärker zu regulieren, könnte einen volkswirtschaftlichen Dominoeffekt auslösen.

Systemrelevanz – Fluch und Segen der Autobranche

Rund 7,7 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung sind mit der Autoindustrie verbunden, berichten Seiwert und Reccius. Mehr als 800.000 Menschen arbeiteten bei Zulieferern und in den Werkshallen von VW, Daimler und Co. Auch zu anderen Wirtschaftszweigen bestünden enge Beziehungen. Insgesamt seien circa 1,8 Millionen Arbeitsplätze vom Erfolg der deutschen Autoindustrie abhängig.

In guten Zeiten profitierten viele Menschen vom Erfolg einer so dominanten Branche. Doch andere Länder hätten gezeigt, dass eine derart bedeutende Position innerhalb einer Volkswirtschaft auch große Gefahren berge. So sei in den ölfördernden Golfstaaten die Abhängigkeit von einer einzelnen Industrie zu einem schwerwiegenden Problem für die Wirtschaft der Länder geworden.

Auch Großbritannien spüre durch den Brexit derzeit, wie einflussreich der Finanzsektor im Königreich geworden ist. In Finnland habe gar der Niedergang eines einzigen Unternehmens – dem Handyhersteller Nokia – zu einer landesweiten Rezession geführt.

„Und nun ist er da: der große Crash“

Der Skandal um Abgasmanipulationen bei Dieselfahrzeugen hat der deutschen Autobranche bereits schwer zugesetzt, erklären Seiwert und Reccius. Hochspezialisierten Zulieferbetrieben falle eine Anpassung an eine sich ändernde Nachfrage schwer. Mancher Teilehersteller werde künftig schlicht nicht mehr gebraucht. Denn für Elektroautos und selbstfahrende Fahrzeuge seien bestimmte Komponenten nicht mehr nötig.

Auch das Damoklesschwert eines kompletten Verbotes von Verbrennungsmotoren sorge für Unruhe in der Branche. Denn laut einer Forsa-Umfrage stünden diesem immerhin 47% der Befragten positiv gegenüber. Experten schätzten, dass dies über 600.000 Arbeitsplätze in der Industrie gefährden könnte. Zudem stünden 48 Milliarden Euro Wertschöpfung durch ein Verbot zur Disposition.

Nach Meinung der WIRTSCHAFTSWOCHE-Autoren ist der Autostandort Deutschland bedroht. Für ein Scheitern seien die Konzerne letztlich zu wichtig für die Wirtschaft. Sollten die Riesen der Branche ins Wanken geraten, könne das weitreichende Folgen haben:

„Eine Existenzkrise der Autokonzerne könnte eine Kettenreaktion bei etlichen kleinen und mittelständischen Betrieben auslösen. […] Eine Krise kann dann rasch auf die gesamte Volkswirtschaft durchschlagen.“

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Patrick Ehrenberg

Wer steckt dahinter?

Martin Seiwert & Stefan Reccius
Kommt aus:Deutschland
Arbeitet für/als:Journalist / Redakteur
Was Sie noch wissen sollten:Martin Seiwert berichtet für die WirtschaftsWoche rund um das Thema Autoindustrie. Er ist Diplomingenieur für Umweltmanagement. Stefan Reccius ist Autor bei der WirtschaftsWoche und beschäftigt sich mit den Themen Geldpolitik und Unternehmen. Reccius hat einen Masterabschluss in internationaler Politik und internationalem Recht.
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