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Wenn feministische Memes nicht feministisch sind
Wenn feministische Memes nicht feministisch sind
( Link zum Originalbild | Urheber: Chloe Simpson | Unsplash | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

wer viel in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, wird vielleicht schon über einen solchen Tweet oder ein solches Meme gestolpert sein: „Wenn Männer schwanger werden könnten, wäre Verhütung gratis und an Kaugummiautomaten verfügbar.“ Oder: „Wenn Männer menstruieren würden, müsste man keine Steuer auf Tampons zahlen.“ Oder: „Wenn Männer sich schminken würden, dann wäre Schminken ein Nationalsport und sie würden von Bier und Automarken gesponsert.“ Ähnliches haben bereits in den 1970er Jahren Feministinnen wie Florynce Kennedy und Gloria Steinem verkündet: „Wenn Männer schwanger werden könnten, wäre Abtreibung ein Sakrament.“

Der Autor und Sexarbeiter Christian Schmacht hält derartige Aussagen für problematisch. In einem Beitrag für das MISSY MAGAZINE schreibt er, dass solche Witze die Existenz von queeren Männern und Transmännern missachtet. Aber selbst wenn spezifiziert werde, dass nur Männer gemeint sind, die cis* und heterosexuell sind, bleibe die Besessenheit mit der Geschlechterdifferenz und Geschlechterbinarität bestehen. Dabei sei Geschlecht gar nicht der entscheidende Unterschied zwischen Menschen, sondern Macht. Laut Schmacht solle Feminismus sich weniger darauf fokussieren, möglichst witzig und ansprechend zu erscheinen, sondern die Machtverhältnisse hinterfragen und auf die Utopie hinarbeiten, dass die Bedürfnisse eines jeden Menschen erfüllt werden – egal welches Geschlecht dieser Mensch hat.

„Wenn ich formuliere: Wenn die Körper der cis Männer das und das könnten. Dann meine ich in Wirklichkeit: Wenn jene, die gebären, die Macht hätten. Wenn wir die Macht hätten. Ich weiß an dieser Stelle gar nicht, wie viel Macht wir brauchen, außer jene über uns selbst. Wenn also unsere Bedürfnisse im Mittelpunkt stünden. Wenn die Welt nach unseren Bedürfnissen funktionieren würde. Das ist die Utopie, die sich hinter dem Witz verbirgt.“

* Als cis beschreibt man eine Person, deren Geschlechtsidentität mit dem Eintrag auf ihrer Geburtsurkunde übereinstimmt.

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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