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Wieso eine Impfpflicht nur wenig nützen würde
Wieso eine Impfpflicht nur wenig nützen würde
( Link zum Originalbild | Urheber: Angelo Esslinger | Pixabay | Pixabay Lizenz )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

die Debatte um eine Impfpflicht hat in dieser Woche wieder Fahrt aufgenommen. Anfang März beklagte das UN-Kinderhilfswerk UNICEF einen alarmierenden Anstieg der Masern-Erkrankungen in zahlreichen Ländern. In Hildesheim hatte eine Schule 80 ungeimpfte Kinder vom Schulbesuch ausgeschlossen, die diese Woche aber wieder am Unterricht teilnahmen. In anderen Schulen in Deutschland gibt es ähnliche Maßnahmen.

Politiker debattieren derweil über eine gesetzliche Pflicht zur Impfung, vor allem gegen die potenziell tödlich verlaufende, hochansteckende Masernerkrankung. Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet offenbar an einem entsprechenden Vorschlag. Die Grünen zeigten sich skeptisch; eine Vertreterin der Partei nannte die Forderung nach einer Impfpflicht im Deutschlandfunk „unverhältnismäßig“. Auch außerhalb der Politik wird über das Für und Wider verpflichtender Impfungen gestritten. Insbesondere in sozialen Netzwerken wird die Debatte oft hart und unversöhnlich geführt.

Wie erfolgversprechend eine solche Impfpflicht wäre, hinterfragt ein Beitrag auf der Website des TAGESSPIEGEL. Man dürfe sich bei dem Problem außerdem nicht zu sehr auf die Impfgegner fokussieren, meint darin die Psychologin Cornelia Betsch. Sie hatte mit Kollegen im Jahr 2015 eine der wenigen existierenden Studien zu der Thematik durchgeführt. Dabei zeigte sich an Versuchsgruppen: Eine teilweise Impfpflicht (wie die derzeit für Masern diskutierte) erhöhte bei skeptischen Menschen den Impuls, andere, freiwillige Impfungen abzulehnen.

Wichtiger sei es ohnehin, nicht zu stark auf die sehr kleine Gruppe hartnäckiger Impfgegner zu schauen, meint Betsch. Viel mehr Menschen vergäßen das Impfen einfach oder wüssten nicht, wann die nächste Impfung fällig wird. Darum brauche Deutschland „eine zentrale Stelle, die Informationen darüber sammelt, wer wann gegen welche Krankheit geimpft wird.“ Diese Maßnahmen könnten viel mehr bewirken als eine Impfpflicht, meint die Psychologin.

„Es zeigte sich, dass die Impfpflicht vor allem die Einstellung von impfskeptischen Personen negativ beeinflusste: Deren Impfbereitschaft sank um 39 Prozent gegenüber der Gruppe, in der beide Entscheidungen freiwillig waren.“

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Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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