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Warum es falsch war, über die Uploadfilter zu streiten
Warum es falsch war, über die Uploadfilter zu streiten
( Link zum Originalbild | Urheber: Frederic Köberl | Unsplash | Unsplash Lizenz )

Das Argument in Kürze:

Die Urheberrechtsdebatte sei „bizarr verkürzt“, schreibt der Digitalisierungsexperte Christoph Bornschein im IPG-Journal. Die Diskussion sei von Ignoranz, Arroganz und gegenseitigen Diskreditierungen bestimmt worden und habe sich zu sehr um den Reizbegriff „Uploadfilter“ gedreht. Letztlich blieb dadurch eine fachliche Auseinandersetzung über ein zeitgemäßes und faires Urheberrecht auf der Strecke.

 

Die Evidenz einer sich keiner Inkompetenz bewussten Inkompetenz

Es steht für Bornschein außer Frage, dass es ein neues und faires Urheberrecht für das digitale Zeitalter braucht. Die aktuelle Debatte hält er aus anderen Gründen für „vergiftet“. Nicht das „Ob“, sondern das „Wie“ der gegenwärtigen Auseinandersetzungen kritisiert Bornschein scharf. Die Diskussionen seien zu sehr auf Uploadfilter fixiert. Der Komplexität des sperrigen Themas Urheberrecht sei deshalb keinerlei Rechnung getragen worden. Bornschein verortet dieses Problem aber anders als viele Kritiker der Urheberrechtsreform nicht bei den Demonstrierenden, sondern in erster Linie bei den verantwortlichen Politikern. Ihnen sei eine bedeutsame Tugend verloren gegangen: Gegenseitiges Zuhören. Stattdessen verunglimpften sie – vor allem jüngere – Reformkritiker, missachteten begründete Gegenvorschläge und trugen „mit einer selten erlebten Freimütigkeit die eigene Ignoranz“ zur Schau, schreibt Bornschein. Das Vorgehen habe die Arroganz und gleichzeitig auch die digitale Ahnungslosigkeit der verantwortlichen Politiker verdeutlicht.

„Und ja, Uploadfilter sind ein Problem, doch die Fokussierung auf dieses Thema hat die Diskussion eines komplexen Sachverhalts – ein angemessenes, faires Urheberrecht für das 21. Jahrhundert, viel Glück beim nächsten Versuch! – bizarr verkürzt und letztlich vergiftet. Das wiederum hätte nicht passieren müssen, wenn auf der Seite der verantwortlichen Politik zu irgendeinem Zeitpunkt mehr gekommen wäre als ein ‚Uploadfilter? Stehen doch gar nicht drin!‘“

 

Tiefer eintauchen:
Ähnlich argumentiert auch Sebastian Christ in diesem Kommentar für den TAGESSPIEGEL. Nicht die Uploadfilter, sondern der Umgang von EU-Politikern mit Kritik und Reformgegnern sei der eigentliche Skandal an der Urheberrechtsdebatte.

 

Der Beitrag wird empfohlen von: Oliver Haupt.

Wer steckt dahinter?

Christoph Bornschein
Kommt aus:Berlin, Deutschland
Arbeitet für/als:Bornschein ist Mitgründer und Geschäftsführer der Agentur für digitale Transformation „Torben, Lucie und die gelbe Gefahr“ (TLGG). TLGG berät Unternehmen in Digitalisierungsfragen und bei der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle.
Was Sie noch wissen sollten:TLGG war im Gründungsjahr 2008 die erste Social-Media-Agentur Deutschlands und berät mittlerweile zahlreiche DAX-Unternehmen sowie Ministerien, Verbände, Gewerkschaften. Bornschein schreibt zudem regelmäßig wirtschaftspolitische Kolumnen für das HANDELSBLATT und ist seit Dezember 2018 Aufsichtsrat der DB Privat- und Firmenkundenbank AG, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bank.
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