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Ohne eine Verpackungssteuer werden weder Verbraucher noch Unternehmen Plastik reduzieren
Ein internationales Abkommen kann das globale Plastikproblem bekämpfen
( Link zum Originalbild | Urheber: Jonathan Chng | Unsplash | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze: 

Plastik ist eine bequeme Gewohnheit, schreibt die Journalistin Pia Ratzesberger in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Die meisten Menschen werden ihren Plastikkonsum nicht verringern, nur weil man an ihre Vernunft appelliert. Genauso haben auch Unternehmen keinen Anreiz, auf die vielen, oft unnötigen Verpackungen zu verzichten. Deshalb müsse die Politik endlich durchgreifen – mit einer Verpackungssteuer.

Appelle an die Vernunft nutzen nichts – es braucht finanziellen Druck

Das größte Problem am Plastik ist, dass es oft nur einmal verwendet wird und dann direkt im Müll landet, so Ratzesberger. Daran werde sich auch nichts ändern, wenn sowohl Verbraucher als auch Unternehmen keinen finanziellen Druck verspüren, um ihr Verhalten zu ändern. Hier müsse die Politik eingreifen und diesen Druck schaffen, zum Beispiel durch eine Steuer. Von dem Vorschlag der EU-Kommission, künftig jedes Kilo Plastik, das nur einmal verwendet wird, mit 80 Cent zu besteuern, hält Ratzesberger allerdings nicht viel. Sie argumentiert, dass nicht nur Plastik, sondern alle Einwegverpackungen schädlich für die Umwelt sind – deshalb brauche es auch eine Steuer auf alle Einwegverpackungen.

Neues Plastik darf nicht günstiger als recyceltes Plastik sein

Ratzesberger verspricht sich von einer solchen Steuer, dass nicht nur weniger Verpackungen in den Supermärkten landen, sondern dass bestehende Verpackungen auch besser verwertet werden. Das würde sich auch wirtschaftlich enorm lohnen: „Würde man den gesamten Plastikmüll der Welt wiederverwenden, statt die gleiche Menge neu herzustellen, ließen sich Schätzungen zufolge 556 Milliarden Liter Erdöl im Jahr sparen, das wären beim jetzigen Preis für Rohöl weit über 200 Milliarden Euro.“ Noch sei es aber günstiger, neues Plastik herzustellen, als altes wiederzuverwerten. Das müsse die Politik dringend ändern.

„Die Müllabfuhr mahnt, die Verpackungen verbrauchten enorm viel Rohstoffe, Wasser und Energie. Aber die meisten Menschen ignorieren das, kaufen sich den Kaffee im Wegwerfbecher und im Supermarkt den abgepackten Salat mit abgepackter Soße und Plastikbesteck. Sie sind das bequeme Leben mit Plastik gewohnt und sie werden es nicht freiwillig aufgeben. Auch die meisten Unternehmen haben momentan keinen Anlass, in großem Stil auf Verpackungen zu verzichten.“

Der Beitrag wird empfohlen von: Stephanie Berens

Wer steckt dahinter?

Pia Ratzesberger
Kommt aus:Deutschland
Arbeitet für/als:Journalistin
Was Sie noch wissen sollten:Ratzesberger schreibt für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. Sie hat Ökonomie, Politik und Interkulturelle Kommunikation studiert. Währenddessen war sie Stipendiatin am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses. Ratzesberger schreibt vor allem über Armutsbekämpfung, soziale Ungleichheit, die Wirtschaft in München und Plastikmüll. Sie twittert unter @PiaRatz.
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