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Alternativverpackungen sind keine wirkliche Alternative
Alternativverpackungen sind keine wirkliche Alternative
( Link zum Originalbild | Urheber: frozennuch | pixabay | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Joghurtbecher auf Stärkebasis und Einkaufstüten aus Jute sind schädlicher als ihr Ruf, berichtet Nina Horcher auf KURIER.AT. Viele Alternativen zu Plastik zersetzten sich nur langsam. Für ihre Herstellung würden knappe Ressourcen genutzt und stünden dadurch in Konkurrenz mit der Produktion von Lebensmitteln. Wirkliche Alternativen ergeben sich erst aus einem neuen Blick auf den gesamten Lebenszyklus von Verpackungen, meint die österreichische Journalistin.

Keine nachhaltige Alternative

Dass sich Plastikverpackungen in der Natur nicht zersetzen, ist bekannt. Mittlerweile versprechen Materialien aus der Natur Abhilfe für dieses Problem: Zum Beispiel Tüten aus Kartoffel- oder Maisstärke, die in immer mehr Supermärkten angeboten werden. Doch ihre Umweltbilanz fällt oft schlechter aus als Verbraucher denken, kritisieren Forscher. Denn für die Herstellung würden Ackerflächen und Wasser benötigt. In vielen Regionen der Welt seien das aber knappe Güter.

Und auch um die Kompostierbarkeit von stärkehaltigen Materialien sei es weit weniger gut bestellt als angenommen. Auch sie kompostierten nur sehr langsam und stellten so nicht wirklich eine ökologischere Alternative zu Plastik dar. Auch das grundlegende Problem der Umweltverschmutzung durch Verpackungen aller Art werde dadurch nicht gelöst. Die Wegwerfkultur könne mit Stärkeprodukten nicht bekämpft werden.

Von der Wiege bis zur Wiege

Horcher beruft sich auf Verpackungs-Experten wie Manfred Tacker und Michael Braungart, die einen neuen Ansatz fordern. Verpackungen, so die Überlegung, müssten komplett recycelt werden. Dazu braucht es ein Pfandsystem. Dadurch könne garantiert werden, dass Verpackungen wieder zum Ursprung zurückkehren und erneut verwendet werden können. Ein solches Konzept wird Cradle-to-Cradle (Von der Wiege zur Wiege) genannt.

So könnte auch das in Verruf geratene Plastik in einen Kreislauf eingebunden werden. Doch längst nicht alle Stoffe eignen sich für das Recycling, warnen die Forscher. Oftmals sei Plastik mit vielen Chemikalien versetzt, um die gewünschten Eigenschaften zu erzielen. Dieser Cocktail könne nicht ohne Bedenken wiederverwendet werden.

Wirkliche Alternativen

Viele Konzepte, Verpackungsmüll zu vermeiden, haben sich als wenig ökologisch erwiesen. Doch es gibt sie, die wirklichen Alternativen. Derzeit, so Horcher, wird an Milcheiweiß und Algen geforscht. Sie könnten bald Folien aus Plastik ersetzen. Ein Stoff, der bereits Marktreife erreicht hat, sind Holzfasern, die aus Abfallprodukten hergestellt werden. Sie werden zu einem Zellulose-Garn verarbeitet. Damit können zum Beispiel Netze für Obst und Gemüse hergestellt werden. Sie haben zwei entscheidende Vorteile, meint Verpackungs-Experte Braungart im Originalbeitrag:

Man muss das Rad nicht neu erfinden. Zelluloseverpackungen sind beispielhaft und perfekt abbaubar.“

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Patrick Ehrenberg

 

Tiefer eintauchen:

Auch OEKOTEST.DE hat sich mit Bio-Kunststoffen beschäftigt und warnt vor Verbrauchertäuschung.

Wer steckt dahinter?

Nina Horcher
Kommt aus:Österreich
Arbeitet für/als:Journalistin
Was Sie noch wissen sollten:arbeitet unter anderem für Die Zeit, Der Standard und Kurier
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