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Warum verüben weiße Männer Anschläge wie in Christchurch?
Warum verüben weiße Männer Anschläge wie in Christchurch?
( Link zum Originalbild | Urheber: Patrick Neufelder | Pixabay | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

letzten Freitag erschoss ein Australier in einer Moschee in der neuseeländischen Stadt Christchurch 50 Menschen. Der Täter filmte die Massenerschießung mit und zeigte die Aufnahmen live auf Facebook. Kurz vor der Tat wurde ein Manifest veröffentlicht, das vermutlich vom Täter stammt und von seinen Social Media-Accounts aus verbreitet wurde. Dem Schreiben nach scheint der Täter ein weißer Nationalist zu sein, der seine Tat mit der sogenannten „replacement theory“ begründet. Die Verschwörungstheorie besagt, dass die Geburtenrate von nicht-weißen Immigranten in Europa und Nordamerika höher sei und dass dadurch die weiße Bevölkerung langsam aber stetig ersetzt werden soll.

Warum sind es eigentlich so oft weiße Männer, die solche Anschläge verüben? Der Journalist Arvind Dilawar sieht dafür zwei Gründe. In einem Beitrag für PACIFIC STANDARD schreibt er, dass zum einen weiße Männer immer mehr mit sozialer Abwärtsmobilität konfrontiert werden. Zum anderen würden sie die Schuld für diese Abwärtsmobilität fälschlicherweise nicht-weißen Menschen, Immigranten, Feministen und anderen Vertretern von sozialer Gerechtigkeit zuschreiben.

Ein Pakt mit der Gesellschaft

Dilawar zitiert den Professor Michael Kimmel, der an der Stony Brook University Gender und Soziologie lehrt. Kimmel schreibt in seinem Buch Angry White Men, dass weiße Männer quasi einen Pakt mit der Gesellschaft eingegangen sind: Wenn sie hart arbeiten und brav ihre Steuern zahlen, würden sie bestimmte Belohnungen dafür erwarten, zum Beispiel die Fähigkeit, ein Haus zu besitzen und eine Familie mit nur einem Einkommen zu ernähren.

Dieser Pakt werde von der Gesellschaft aber nicht erfüllt, weswegen weiße Männer sich zunehmend als Opfer sähen und wütend seien, dass das System ihnen nicht gibt, was es versprochen hat. Diese Wut werde dann aber nicht gegen das gesellschaftliche System gerichtet, sondern an Menschen, die genauso – wenn nicht noch mehr – unter dem System leiden.

„Die Opfer von gekränkten Weißen sind auch die Opfer weißer Vorherrschaft, egal ob sie afroamerikanische Kirchengänger in Charleston sind oder vorwiegend weiße Schüler in Parkland. Wenn alle Kräfte des Fortschritts – von Black Lives Matter-Aktivisten über feministischen Demonstranten bis hin zu Dreamers – sich angeblich gegen einen verschworen haben, ist jeder der Feind.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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