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Singapur: Eigentumswohnungen für alle
Singapur: Eigentumswohnungen für alle
( Link zum Originalbild | Urheber: xegxef | Pixabay | Pixabay License )

Das Argument in Kürze:

Singapur hat es geschafft, unter staatlicher Leitung einen attraktiven Wohnungsmarkt für alle zu schaffen. Heute besitzen knapp 90 Prozent der Einwohner Eigentumswohnungen, obwohl Singapur als eine der Städte mit den höchsten Lebenshaltungskosten weltweit gilt. Die Journalistin Adrienne Woltersdorf lebt seit mehreren Jahren in Singapur und erklärt in ihrem Beitrag für das IPG-JOURNAL, weshalb uns der Inselstaat als Vorbild für soziale Wohnungspolitik gelten sollte.

 

Ein bewährtes System staatlicher Kontrolle

Die noch heute in Singapur regierende „Peoples Action Party“ (PAP) kam vor genau 60 Jahren an die Macht – mit dem Versprechen, die extreme Wohnungsnot zu bekämpfen. Die zu diesem Zweck gegründete Behörde „Housing and Development Board“ (HDB) kaufte zunächst mit staatlichem Geld fast 90 Prozent des Singapurer Bodens auf. Seitdem unterliegt sowohl der Kauf von Baugrund, als auch der Bau selbst sowie die Instandhaltung staatlicher Aufsicht. Das HDB ließ seitdem 23 staatlich subventionierte Stadtteile errichten. Die Sozialwohnungen reichen dort von einfachen Mietwohnungen bis hin zu Designer-Appartments und sogenannten „executive condominiums“ für wohlhabende Käufer. Jeder der neuen Stadtteile funktioniere für sich genommen wie eine eigene Kleinstadt, mit effektiver Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, Kindergärten und Schulen sowie Betreuungseinrichtungen für Senioren und Gesundheitszentren. Ein Stadtrat („town council“) ist für die Selbstverwaltung verantwortlich. Der Rat sorgt für eine inklusive und ausgewogene Wohnungsvergabe. Dadurch soll eine soziale und ethnische Durchmischung gewährleistet werden.
Dieses Modell staatlich kontrollierter Stadtentwicklung wäre allerdings ohne eine effektive Verwaltung, komplexe Finanzierungsmodelle und intelligentem Bodenmanagement nicht auf Dauer umsetzbar. Es habe sich aber bewährt, schreibt Woltersdorf. Mittlerweile vergibt Singapur sogar teilweise Industrie- und Gewerbeimmobilien nach dieser Strategie.

„Der Staat kontrolliert die Stadtentwicklung und das Erscheinungsbild Singapurs. Bürger und Bürgerinnen erhalten, via HDB, subventionierten Mietraum oder Wohneigentum in den bis dato 23 intelligent designten, sich selbst versorgenden neuen Kleinstädten. Wohnen ist eine Art der Umverteilung im ansonsten kapitalistischen Handelsimperium der stramm regierenden PAP.“

 

Der Beitrag wird empfohlen von: Oliver Haupt

 

Tiefer eintauchen:

Mit ganz ähnlichen Maßnahmen sorgt auch Wien für bezahlbare Mieten. Wie in Singapur wird auch dort die Verteilung und Nutzung des Bodens staatlich kontrolliert und reguliert. Wien wird deshalb häufig deutsche Großstädte als Positivbeispiel herangezogen. Was München von Wien lernen könnte, zeigt Dominik Hutter in diesem Beitrag für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.

Wer steckt dahinter?

Adrienne Woltersdorf
Kommt aus:Deutschland
Arbeitet für/als:Leiterin des Büros für Regionale Kooperation in Asien der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) mit Sitz in Singapur.
Was Sie noch wissen sollten:Ab 2011 war Woltersdorf für vier Jahre Leiterin des FES-Büros in Afghanistan. Davor hat sie als Korrespondentin (u.a. aus Washington) für die TAZ und die FRANKFURTER RUNDSCHAU berichtet sowie das China-Programm der DEUTSCHEN WELLE geleitet.
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