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5 Gründe, warum Kriege nicht mehr enden
5 Gründe, warum Kriege nicht mehr enden
( Link zum Originalbild | Urheber: werner22brigitte | Pixabay | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

Kriegsmeldungen sind so gegenwärtig, dass sie – zumindest mir geht es so – oft zum bloßen Hintergrundgeräusch im Nachrichtenstrom werden. Ein Phänomen, das sich noch verstärkt, wenn die Zahl der weltweiten Konflikte steigt. Und das tut sie unter anderem deshalb, weil Kriege heute länger dauern als früher, sei es in Syrien (hier unsere Debatte über den Truppenabzug der USA), in Afghanistan oder im Jemen.

Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler befasst sich seit Jahren mit der Frage, wie es zu Kriegen kommt und inwiefern sich heutige Kriege von früheren unterscheiden. In einem Gastbeitrag im Tagesspiegel versucht er zu beantworten, warum die Kriege der Gegenwart scheinbar endlos schwelen. Er nennt fünf Gründe:

  1. Kriege werden heute nur noch selten von einzelnen Staaten geführt. Sie beginnen in der Regel als Bürgerkriege, in die nach und nach mehr Akteure eintreten. Das macht die Konflikte so komplex, dass einfache Friedensschlüsse nicht mehr ausreichen. Und den Vereinten Nationen fehlt es an realpolitischer Macht, um Frieden zu schaffen: Ihre Forderungen werden ignoriert.
  2. In die offenen Kriegsökonomien, wie sei bei derart ausgefransten Konflikten üblich sind, fließen permanent von außen Gelder und Waffen, Hilfsgüter und Kämpfer. Unaufhörlicher Nachschub für immer länger währende Auseinandersetzungen.
  3. Zu viele Akteure profitieren vom Krieg. Sie nutzen die Gewalt nicht mehr ausschließlich als politisches Instrument, sondern als ökonomische Ressource. So perfide es klingt: Viele Akteure leben vom Krieg.
  4. Je länger ein Krieg dauert, desto schwieriger gestaltet sich die Rückkehr zum Frieden. Wenn eine ganze Generation heranwächst, die einzig den Kriegszustand kennt, dann ist es mit einem einfachen Friedensschluss nicht getan.
  5. Kriege sind heute grausamer denn je. Grausamkeit zieht Rache nach sich, und Rache Gegenrache. Es fehlt eine neutrale Instanz, die die Gewalt durch einen – von allen Parteien respektierten – Rechtsentscheid beenden könnte.

 

„Der vermutlich wichtigste Grund für die lange Dauer der neuen Kriege ist indes darin zu suchen, dass es in ihnen eine Reihe von Akteuren gibt, die „vom Kriege leben“, die die Gewalt also aus einem politischen Instrument in eine ökonomische Ressource verwandelt haben. Sie haben deswegen kein Interesse an der Beendigung des Kriegs – die Warlords nicht, weil ihnen die Möglichkeit zur Akkumulation großen Reichtums entzogen würde, und deren Gefolgsleute nicht, weil sie in die soziale Marginalität zurückfallen würden.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
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