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Obdachlose sind selbst Schuld? So einfach ist es nicht
Obdachlose sind selbst Schuld? So einfach ist es nicht
( Link zum Originalbild | Urheber: werner22brigitte | Pixabay | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

in Deutschland waren 2018 etwa 1,2 Millionen Menschen ohne Wohnung. So zumindest schätzt es die BAG Wohnungshilfe. Gesicherte Statistiken gibt es nicht, klar ist nur, die Zahl steigt: Allein zwischen 2005 und 2016 wuchs sie von rund 227.000 auf 860.000. In der Berichterstattung schlägt sich das – glücklicherweise – nieder, zuletzt sendete der Deutschlandfunk eine Reportage „Aus dem Leben einer Wohnungslosen„, der Bayerische Rundfunk listete Hilfsmöglichkeiten für Obdachlose, und die Huffington Post präsentierte Finnland als Vorbild für den Umgang mit Obdachlosigkeit.

Ein Problembewusstsein ist also da. Und dennoch hatte ich bis dato keine so übersichtliche und umfassende Darstellung des Problems gefunden wie die des Journalisten Timo Reuter auf Zeit Online – meine heutige Empfehlung. Unter anderem geht Reuter der Frage nach, warum so viele Menschen in Deutschland wohnungslos sind, obwohl doch deutsche Kommunen ordnungsrechtlich verpflichtet sind, Menschen ohne Dach über dem Kopf unterzubringen.

Die Erklärung: Die meisten Wohnungslosen sind nicht obdachlos, sie leben – oft seit vielen Jahren – in betreuten Wohnheimen und schaffen es von dort nicht zurück in ein geregeltes Leben. Denn Vermieter wollen in der Regel nicht an Wohnungslose vermieten. Aber ohne Wohnung ist es sehr schwierig, einen Job zu kriegen. Und ohne Job keine eigene Wohnung. Inzwischen sind ganze Familien betroffen.

„Mit Freiheit oder Freiwilligkeit hat all das also wenig zu tun – so wie auch der Weg in die Wohnungslosigkeit selten eine bewusste Entscheidung ist. Viele Betroffene berichten von Trennung, Krankheit und einer unerwarteten Kündigung, vom plötzlichen Jobverlust oder von Gewalterfahrungen, die zum Wohnungsverlust geführt haben. Oft gesellen sich Hilflosigkeit und Resignation dazu. Es sind Schicksalsschläge, wie sie alle Menschen treffen können. Wer aber wirtschaftlich und sozial abgesichert ist, kann das meist besser wegstecken.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
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