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Die Kleine Eiszeit war nicht natürlich – sie wurde durch die Kolonisation Amerikas verursacht
Die Kleine Eiszeit war nicht natürlich – sie wurde durch die Kolonisation Amerikas verursacht
( Link zum Originalbild | Urheber: Norman Bosworth | Pixabay | CC0 Public Domain )

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Guten Morgen,

dass menschliche Aktivitäten das Klima unserer Erde beeinflussen können, ist mittlerweile eine wissenschaftlich belegte Tatsache. Menschen beeinflussen nicht nur in der heutigen Zeit das Klima, sondern scheinen das schon viel früher getan zu haben, wie eine neue Studie ergeben hat. Für CNN schreibt die Journalistin Lauren Kent, dass Wissenschaftler von der University College London etwas Spannendes herausgefunden haben: Die kleine Eiszeit habe keineswegs einen natürlichen Ursprung, wie bisher angenommen.

Stattdessen gebe es eine konkrete Ursache für diese kühlere Klimaperiode: Europäische Kolonisatoren hätten so viele indigene Menschen umgebracht – entweder absichtlich oder dadurch, dass sie fremde Krankheiten einschleppten – dass sehr viel Landwirtschaftsfläche nicht mehr bestellt wurde. Dadurch seien auf einer Fläche so groß wie Frankreich wieder mehr Bäume und Vegetation gewachsen, was dazu geführt habe, dass die Menge an Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre rapide gesunken ist.

Für die Studie hätten die Wissenschaftler Eis aus der Antarktis analysiert, das atmosphärisches Gas speichert und somit Aufschluss darüber gebe, wieviel CO2 sich vor Jahrhunderten in der Atmosphäre befand. Im Jahr 1610 habe es einen besonders starken Rückgang an Kohlenstoffdioxid gegeben, der nicht von den Meeren, sondern vom Land verursacht wurde. Vorher sei der Anteil an CO2 relativ stabil gewesen.

Die Studie stelle also zwei fundamentale Annahmen in Frage: Erstens, dass die Menschen vor der industriellen Revolution keinen Einfluss auf das Klima hatten, und zweitens, dass die kleine Eiszeit natürliche Ursachen hatte. Des Weiteren zeige die Studie, wie sehr der Erfolg der europäischen Wirtschaft auf der Kolonisation der „neuen Welt“ und damit dem Genozid der indigenen Bevölkerung beruht hat.

„Die Implikationen der Studie sind nicht nur für Klimaforschung von Bedeutung, sondern auch für Forschungen in den Bereichen Geografie und Geschichte, sagte der Co-Autor Prof. Mark Maslin. Der Tod indigener Amerikaner habe direkt zum Erfolg der europäischen Wirtschaft beigetragen. Natürliche Ressourcen und Nahrungsmittel, die von der neuen Welt verschifft wurden, halfen der Bevölkerung in Europa, zu wachsen. Dadurch konnten die Menschen dort auch aufhören, Subsistenzwirtschaft zu betreiben, und stattdessen in der Industrie arbeiten.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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3 Gedanken zu “Die Kleine Eiszeit war nicht natürlich – sie wurde durch die Kolonisation Amerikas verursacht

  1. Tut mir leid, Frau Berens, ich habe nur sehr, sehr selten einen größeren Blödsinn gelesen. Ich bin Geologe mit Meteorologie als Nebenfach, Interesse halber. Die kleine Eiszeit begann übrigens schon im 14. Jahrhundert, also 150 Jahre vor der Entdeckung Amerikas…

    1. Lieber Herr Becker, vielen Dank für Ihren Kommentar. Als Amerikanistin fand ich die Studie und ihre Ergebnisse sehr interessant und lesenswert. Ich glaube kaum, dass ein Forscherteam an einer der renommiertesten Unis der Welt Blödsinn veröffentlichen würde.

  2. Diese Hypothese ist keineswegs neu, sie ist bereits im Wikipedia-Artikel zu finden (Ruddiman-Hypothese) https://de.wikipedia.org/wiki/Kleine_Eiszeit#Ursachen Hier wird allerdings nicht nur der Bevölkerungsrückgang in Amerika thematisisert, sondern auch der Bevölkerungsrückgang durch die Pest in Europa.
    Allgemein kann sie wohl nicht die alleinige Ursache sein. Im Wikipedia-Artikel wird geschätzt, dass sie allenfalls für 0,1 Grad von insgesamt 0,5 Grad Temperaturrückgang verantwortlich sein kann. Im Wikipedia-Artikel werden noch andere Gegenargumente genannt, z. B. der abgeschwächte Golfstrom sowie die Milanković-Zyklen.

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