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Warum der Entscheid zum dritten Geschlecht nicht unbedingt ein Fortschritt ist
Warum der Entscheid zum dritten Geschlecht nicht unbedingt ein Fortschritt ist
( Link zum Originalbild | Urheber: OpenClipart | Pixabay | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

seit Januar haben Menschen in Deutschland eine dritte Geschlechtsoption im Geburtenregister. Die meisten Kommentatoren halten das für einen Fortschritt. Die Deutsche Welle zum Beispiel schreibt, es sei für intersexuelle Menschen und Transgender von existenzieller Bedeutung, ihre Identität selbst bestimmen zu können. Die Süddeutsche Zeitung hält das dritte Geschlecht sogar für eine Revolution – weil es die bloße Mann-Frau-Betrachtung im deutschen Recht beende.

Doch die vom Gesetz betroffenen Menschen sind nicht immer so begeistert. Das jetzt-Magazin hat mit der 33-jährigen Jeanne Riedel gesprochen. Riedel ist intersexuell, sie wird ihren Eintrag jedoch nicht ändern lassen. Warum? Wenn sie das vor hätte, müsste sie ein ärztliches Attest vorlegen. Und dieses Attest, sagt sie, ist nicht nur für sie, sondern für viele intersexuelle Menschen eine Hürde.

„Denn sie sind oft traumatisiert, weil sie schon als Babys zu einem eindeutigen Geschlecht hin operiert werden und dabei nicht immer das richtige Geschlecht gewählt wird.” So erklärt es die Journalistin Christina Weiße für das jetzt-Magazin. „Divers“ sei ein Sammelbegriff, der körperliche Merkmale beschreibe, ohne zu berücksichtigen, wie sich die damit Bezeichneten tatsächlich fühlen.

Ein weiteres Problem: Die große Aufmerksamkeit, die das Thema erregt. Sie ist, Jeanne Riedler zufolge, gefährlich und kann zu Diskriminierung führen. Im Gesetz gebe es zudem Unklarheiten – zum Beispiel, was das Gesetz für geschlechtergetrennte Sportmannschaften heißen wird. Oder: ob Unisex-Toiletten gebaut werden müssen.

 

„Die Frage ‚Was ist Geschlecht?‘ ist sehr komplex und man kann es nicht nur an den Genitalien ablesen. Wir müssen aufhören, Menschen in die Kategorien zu pressen und anfangen, die Kategorien zu hinterfragen.“ 

Markus Ulrich, Pressesprecher vom Lesben- und Schwulenverband

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Veronika Caslavska
Kommt aus:Kommt aus Prag, studiert gerade in Leipzig.
Politische Position:Eine aktive Zivilgesellschaft, die sich für Politik interessiert und einsetzt, ist unersetzlich, damit die Demokratie am Leben bleibt. Deshalb setze ich mich für zivilgesellschaftliches Engagement und politische Bildung ein.
Arbeitet für/als:Studentin der Journalistik und Medienwissenschaften an der Karls-Universität in Prag und Universität Leipzig. Journalistin und Copywriterin.
Was Sie noch wissen sollten:Veronika hat für mehrere tschechische Zeitschriften gearbeitet, unter anderem für Newsweek, Respekt und Reporter. Sie schreibt über Zivilgesellschaft, über Gesellschaftsthemen allgemein, aber auch über Architektur und Design.
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