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Warum Frauen die Möglichkeit haben sollten, auch später in der Schwangerschaft abzutreiben
Warum Frauen die Möglichkeit haben sollten, auch später in der Schwangerschaft abzutreiben
( Link zum Originalbild | Urheber: Freestocks.org | Unsplash | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

Schwangerschaftsabbrüche bleiben ein großes Diskussionsthema – nicht nur in Deutschland, sondern momentan auch wieder in den USA. In Deutschland wurde in den letzten Monaten heftig darüber diskutiert, ob der Paragraph 219a, der neben Werbung für Abtreibungen auch sachliche Informationen über den Eingriff verbietet, abgeschafft werden sollte. Währenddessen werden in New York und Virginia über Gesetzesentwürfe debattiert, die es Frauen erleichtern sollen, auch noch nach 24 Wochen die Schwangerschaft beenden zu können, wenn das Kind keine Überlebenschancen hat oder das Leben und die Gesundheit der Mutter gefährdet sind.

Wie ist eigentlich die Rechtslage in Deutschland und den USA?

In Deutschland sind Abtreibungen rechtswidrig, allerdings gibt es bestimmte Ausnahmen. Demnach bleiben Abtreibungen straffrei, wenn sie vor der 12. Woche nach der Befruchtung stattfinden, wenn die Gesundheit der Mutter in Gefahr ist, oder wenn die Schwangerschaft Folge einer Strafhandlung, zum Beispiel einer Vergewaltigung, ist.

In den USA wurde 1973 durch das Gesetz „Roe v. Wade“ geregelt, dass Frauen bis zur 24. Woche abtreiben dürfen – das ist der Zeitpunkt, an dem der Fötus alleine außerhalb der Gebärmutter überleben könnte. Danach darf die Schwangerschaft nur beendet werden, wenn das Leben oder die Gesundheit der Frau gefährdet ist. Allerdings haben viele Bundesstaaten weitere Gesetze implementiert, die das Recht auf Abtreibung in den einzelnen Staaten teilweise sehr stark beschränken.

Spätere Abtreibungen stoßen auf heftigen Widerstand

Die Vorschläge aus New York und Virgina stoßen in konservativeren Kreisen auf heftigen Widerstand. US-Präsident Donald Trump, sprach sich in seiner State of the Union Adress entschieden dagegen aus, dass „lebende, fühlende, wunderschöne Babys nie die Möglichkeit bekommen, ihre Liebe und Träume mit der Welt zu teilen“, obwohl die vorgeschlagenen Gesetze nur greifen würden, wenn das Kind außerhalb der Gebärmutter nicht lebensfähig ist.

In einem Beitrag für ELLE schreibt Kate Carson, Dozentin für Ingenieurswesen, wie sie zunächst ebenfalls gegen spätere Abtreibungen war, bis sie in eine Situation kam, in der sie selbst darüber nachdenken musste. Nach drei Fehlgeburten sei Carson endlich im siebten Monat mit ihrer Tochter Laurel schwanger gewesen, als die Ärzte auf dem Ultraschall entdeckt hätten, dass Laurels Gehirn mit Flüssigkeit gefüllte Löcher hatte – Dandy-Walker-Syndrom – und zusätzlich weitere Anomalien aufwies. Laurel würde nie laufen, sprechen, schlucken, oder ihren eigenen Kopf aufrecht halten können. Als Carson den Neurologen fragte, ob solche Babys den ganzen Tag schlafen würden, sei er zusammengezuckt und habe geantwortet: „Meistens fühlen diese Kinder sich nicht wohl genug, um schlafen zu können.“ Schweren Herzens habe Carson sich dazu entschlossen, ihre Schwangerschaft zu beenden und ihrer Tochter nicht dem Leid auszusetzen, das sie in ihrem kurzen Leben ertragen müsste. Es habe nur eine Klinik in ganz USA gegeben, in Colorado, die Abtreibungen zu einem solch späten Zeitpunkt in der Schwangerschaft überhaupt durchführten.

„Bevor ich mich selbst in dieser schrecklichen Situation befand, habe ich nie verstanden, warum jemand im dritten Trimester eine Abtreibung braucht. In meiner Naivität habe ich nicht gemerkt, dass extreme Handlungen aus extremen Umständen resultieren. […] Die Einmischung der Regierung, zum Beispiel durch das Verbot von Abtreibungen, macht viele sowieso schon furchtbare Situationen nur schlimmer und zwingt Familien dazu, extremere Maßnahmen ergreifen zu müssen. […] Meine Entscheidung war schwer und sehr schmerzhaft. Ich trage sie mit mir, aber ich habe sie nie bereut, weil ich meinem Herzen und meinen Werten gefolgt bin und das Beste für meine Tochter getan habe. Es ist schrecklich, sich zwischen Frieden und Leben entscheiden zu müssen, aber es ist wichtig, dass Familien, und nicht Gremien, Politiker oder Regierungen, die bestinformierte Entscheidung für ihre Kinder treffen können.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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