Zurück zur Übersicht
Dürfen wir Fotos von mutmaßlichen Gewalttätern posten?
Dürfen wir Fotos von mutmaßlichen Gewalttätern posten?
( Link zum Originalbild | Urheber: geralt | Pixabay | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

in meiner heutigen Empfehlung geht es, auf den ersten Blick, um einen Fall aus Österreich. Ein Mann hat dort auf Facebook das Foto eines anderen Mannes veröffentlicht, der eine Frau angegriffen hatte. Das Foto sollte Frauen warnen. Seitdem herrscht Streit im Netz um die Frage: Darf man als Privatperson Fotos oder Videos von (mutmaßlichen) Tätern veröffentlichen?

Sascha Lobo bezieht in seiner Kolumne auf Spiegel Online klar Stellung, er glaubt: Man darf. Gleichzeitig wirft er eine größere Frage auf, die sich nicht auf den Einzelfall aus Österreich beschränkt: Wie verändern soziale Medien die Öffentlichkeit von Verbrechen, insbesondere Gewaltverbrechen? Lobo konstatiert einen „Täterschutzreflex“ – den er für falsch hält, weil es in sozialen Medien um privates Handeln gehe, nicht um staatliches. Er argumentiert, die Debatte zeige vielmehr einen neuen und interessanten Aspekt der sozialen Medien: Öffentlichkeit als Schutzinstrument für Privatpersonen, insbesondere für Frauen.

Gleichzeitig, und das macht die Analyse lesenswert, verweist Lobo auf Gegenstimmen, so etwa die des bekannten österreichischen Journalisten Florian Klenk, der vor allem das Recht auf Anonymität von Tatverdächtigen ins Feld führt und die Unschuldsvermutung.

Lobo aber meint:

„Ich denke, wir alle sind uns darin einig, das Patriarchat so schnell wie möglich zu zerschlagen, aber bis es so weit ist, ist hier meine Position: Natürlich darf man als Privatperson Missetaten anderer gegen sich oder Menschen im persönlichen Umfeld in sozialen Medien veröffentlichen. Ich fordere die Anerkennung der Existenz einer Social-Media-Notwehr.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Ein Gedanke zu “Dürfen wir Fotos von mutmaßlichen Gewalttätern posten?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.