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Der Kapitalismus ist das Problem und nicht die Lösung
Der Kapitalismus ist das Problem und nicht die Lösung
( Link zum Originalbild | Urheber: Circe Denyer | PublicDomainPictures | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:
Der Kapitalismus wird das Klima nicht retten können. Das meint die Journalistin Noami Klein in THE NATION. Der Kapitalismus sei ausufernd und grenzenlos und stehe damit im Kontrast zu einer Natur, die zwar grenzenlos erscheint, es aber nicht ist. Es brauche nun gewaltige Veränderungen, um den Klimawandel noch stoppen zu können. Und mit diesen gewaltigen Veränderungen meint Klein auch: Ein neues politisches und ökonomisches System. Eines, das mehr auf Regulierung, höhere Steuern und stärkere Umverteilung setzt.

Eine emotionale Angelegenheit
Klein beschreibt in ihrem Text, wie sich das Thema Klimawandel in den vergangenen Jahren immer stärker emotional aufgeladen habe. Glaubten 2007 noch 71 Prozent der US-Amerikaner daran, dass der Mensch Schuld am Klimawandel sei, waren es vier Jahre später nur noch 44 Prozent. Ein drastischer Rückgang, den Klein besonders durch den aktiven Lobbyismus der US-Republikaner erklärt.

Klimaschutz sei inzwischen so emotionalisiert, dass viele Amerikaner ihre persönliche Freiheit in Gefahr sehen. Sie fürchten mittlerweile nicht nur, dass Umweltschützer SUVs verbieten wollen, sondern auch, dass sie Amerika durch eine Verschwörung in einen kommunistischen Staat verwandeln wollen. Die Wut über die angebliche Verschwörung gehe soweit, dass Wissenschaftler Todesdrohungen erreichen.

Die Emotionalisierung mache es nun noch schwerer auf einer sachlichen Ebene zu diskutieren, da jedes abweichende Argument als Angriff auf die eigenen Persönlichkeit aufgefasst werde. Die Medien hätten sich in Folge immer weniger an das Thema ran getraut und so den Fracking-, Ölsand- und Kohleunternehmen den Widerstand mehr und mehr genommen.

Aus Kleins Sicht ist diese Entwicklung fatal. Denn es brauche einen radikalen Wandel, um den Klimawandel noch zu bekämpfen. Sie fordert deshalb ein Comeback für den Klimawandel von links. Es brauche stärkere Regulierung, höhere Steuern und eine stärke Umverteilung des Reichtums. Kurz: eine linke Umweltpolitik.

Unsere Umwelt sei am Limit. Die Meere, Ozonschicht, Artenvielfalt, das Grundwasser können sich nicht mehr so schnell erholen, wie wir sie zerstören, schreibt Klein. Eine Umwelt, die maßlos ausgebeutet werden könne, sei die wahre Verschwörung. Einzelne grüne Produkte und Greenwashing von Unternehmer seien zu wenig, um das Klima zu retten. Es brauche entschiedenes Handeln und ein ganz neues ökonomisches System: Weg vom Marktkapitalismus hin zu einer neuen Organisation von Wirtschaft und Politik. Sie fordert Veränderungen auf sechs Gebieten:

1. Dem öffentlichen Sektor (Investitionen in energieeffiziente Transportmittel)

2. Langfristige statt kurzfristiges Planen zum Erreichen der Klimaziele

3. Drastische Regulierungen für Unternehmen

4. Mehr lokale Produktion

5. Eine allgemeine Reduktion des Konsums

6. Höhere Steuern für Reiche.

Kleins Artikel in THE NATION erschien schon 2011 und diente als Vorlage für Kleins viel zitiertes Buch „This changes everything“, das 2014 erschien. Auch wenn Naomi Klein ihre These seither in zahlreichen aktuelleren Interviews und Artikeln wiederholt hat (beispielsweise in diesem 2018 geführten Interview bei ENORM), empfehlen wir besonders den Originaltext in THE NATION. Denn Klein erläutert ihre Theorie, warum Kapitalismus und Klimaschutz sich ausschließen, in diesem Beitrag besonders umfassend und macht klar, was die Grundpfeiler ihrer Theorie sind.

Die Fülle wissenschaftlicher Untersuchungen zeigt: Wir haben die Natur jenseits ihrer Grenzen beansprucht und ein paar grüne Produkte und marktbasierte Lösungen reichen nicht aus. Es braucht ein neues zivilisatorisches Paradigma, eines, dass nicht in der Dominanz über die Natur liegt, sondern im Respekt eines natürlichen Kreislaufes und den Grenzen der Natur, inklusive den Grenzen menschlicher Intelligenz.“

Der Beitrag wird empfohlen von: Miguel Kaluza.

Tiefer eintauchen:

  • Wie Neoliberalismus und Klimasünden zusammenhängen, erläutert Naomi Klein in einem Beitrag für THE INTERCEPT
  • Auf der Homepage zu Naomi Kleins Buch This Changes Everything informiert die Autorin nicht nur umfassend zu ihrer Theorie, sie bietet auch einen Überblick zu neuen Lösungsideen und Utopien, die helfen können, den Klimawandel zu bremsen

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