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Warum China die USA und Europa in der Klimapolitik überholt
Warum China die USA und Europa in der Klimapolitik überholt
( Link zum Originalbild | Urheber: Bobak | Wikimedia Commons | CC BY-SA 2.5 )

Das Argument in Kürze

China könnte sich zur größten Hoffnung im Kampf gegen den Klimawandel entwickeln, sagen die Autoren Sebastian Heilmann und Jost Wübbeke. In einem Beitrag des deutschen Think Tank MERCATOR INSTITUTE FOR CHINA STUDIES (MERICS), blicken sie auf die mittel- und langfristige Klimapolitik im Reich der Mitte. Ihr Fazit: Während sich die USA „reindustrialisieren“ und Europa – einst Vorreiter im Klimaschutz – wirtschaftlich und politisch gelähmt ist, kombiniert die chinesische Führung Klimapolitik mit strategischen Interessen. Zwar benötige das Land dafür noch Zeit, doch könne es durch die grundlegende Umwandlung seiner gesamten Gesellschaft zum globalen Klassenprimus der Umweltpolitik werden.

Vom Paulus zum Saulus?

Seit Donald Trumps Amtsantritt fördert die amerikanische Regierung wieder verstärkt fossile Energieträger und die Industrie, betont der MERICS-Bericht. Seitdem wurden viele Klimaschutzprogramme der Obama-Regierung zurückgefahren oder ganz eingestellt. Die USA seien darum längst nicht mehr das Zugpferd im weltweiten Klimaschutz.

Auch Europa bleibe mittlerweile hinter seinem einstigen Engagement für den Klimaschutz zurück. Im MERICS-Beitrag werden dafür ökonomische Probleme der Union angeführt. Aber auch die politische Lähmung durch den Brexit und andere nationale Alleingänge trägt zu dieser Entwicklung bei.

Ganz anders sieht es in China aus: Im Gegensatz zur US-Regierung, so die Experten, ist für China der menschengemachte Klimawandel eine wissenschaftlich anerkannte Tatsache. Die Regierung des Landes ist sich der Risiken bewusst. Sie weiß, dass der Klimawandel zum Beispiel die Ernährungssicherheit massiv gefährdet. So sagen Studien der Universität Peking voraus, dass sich durch Klimaveränderungen die Mais- und Sojaproduktion des Landes bis zum Jahr 2100 um bis zu 19 Prozent verringern könnte.

Chinas langer ökologischer Marsch

Aber trotz dieser Einsicht, wird es für China ein langer Weg sein, betont der Bericht. Es ist kein leichtes Unterfangen eine der größten Ökonomien der Welt auf nachhaltiges Wirtschaften umzustellen. Dennoch zeige sich jetzt schon, dass die chinesische Führung im Vergleich zu den USA derzeit die Nase vorn hat. Quoten für Elektrofahrzeuge und die Abkehr von der maoistischen Doktrin des „Krieges gegen die Natur“ ebnen den Weg.

Schon jetzt sei Chinas Führung viel fortschrittlicher als die Trump-Regierung, auch wenn sie sich noch längst nicht vollkommen von gewohnten Strukturen gelöst habe. Bereits seit den 1970er Jahren verfolge Peking die Strategie der zwei Wege. Neben dem sozialistischen System entstand so ein kapitalistischer Markt, der neue Wirtschaftszweige erschloss und Innovationen förderte.

Nun werde diese Strategie zum Beispiel in den Bereichen Energie und Mobilität wiederholt. So bleibe die innere Stabilität des Landes bestehen, gleichzeitig entwickele sich in vielen Industriezweigen eine chinesische Vorreiterrolle.

Aber Heilmann und Wübbeke stellen fest: Chinas strategisches Vorgehen macht das Land noch nicht zum alleinigen Anführer im Kampf gegen den Klimawandel.

„In Zeiten eines US-amerikanischen Rückzugs und europäischer Lähmung bleibt China die beste Hoffnung für das Streben nach einer langfristig effektiveren globalen Klimapolitik.“

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Patrick Ehrenberg

Wer steckt dahinter?

Sebastian Heilmann & Jost Wübbeke
Kommt aus:Deutschland
Arbeitet für/als:China-Experten
Was Sie noch wissen sollten:Jost Wübbeke ist Sinologe und ehemaliger Mitarbeiter beim deutschen Think Tank MERICS. Sebastian Heilmann ist Politikwissenschaftler und Sinologe.
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