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Rentenkonzept: 41 Jahre arbeiten und dann Pfandflaschen sammeln
Wenn die Rente nicht zum Leben reicht, leidet das Sozialleben – und der Stolz

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

„Respekt-Rente“ nennt Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sein neues Konzept für eine gerechtere Alterssicherung. Die Idee: Wenn jemand sein Leben lang gearbeitet hat, muss er im Alter von seiner Rente leben können – eine Frage des Respekts. Warum  er eine Reform für dringend notwendig hält, erklärte Heil der Bild am Sonntag. So bekomme eine Friseurin, die 40 Jahre lang gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt habe, nur 512 Euro Rente pro Monat, fasst Focus online zusammen. Das liegt daran, dass sie nur den Mindestlohn verdient hat, deshalb hat sie im Laufe ihres Lebens im Vergleich zu anderen weniger Geld in die Rentenkasse eingezahlt.

Heil hat nun vorgeschlagen, diesen Rentnern einen entsprechenden Zuschlag zu zahlen: Mehr Geld soll bekommen, wer 35 Jahre und mehr in die Rentenkasse eingezahlt hat. Die Friseurin etwa käme dadurch auf rund 960 Euro pro Monat.

Jahrzehntelang arbeiten und trotzdem arm

Was es heißt, nach einem Leben voller Arbeit arm zu sein, beschreibt der Stern anhand von zwei Schicksalen, mit dabei: Die Rentnerin Gisela Quenstedt. Sie hat 41 Jahre lang gearbeitet, Vollzeit und auch eine Weile in Teilzeit, als sie die Arbeit für die Erziehung ihrer Kinder zurückgeschraubt hat. Quenstedts Rente beträgt heute rund 900 Euro – es könnte also durchaus noch schlimmer sein. Viel bleibt ihr trotzdem nicht zum Leben: Quenstedt sammelt Pfandflaschen, bezieht ihre Lebensmittel von der Tafel und nutzt ihre Teebeutel mehrmals, bevor sie neue kauft.

„Ich muss eben immer rechnen und auch oft „Nein“ sagen – „Nein“ sagen und verzichten. Das ist nicht schön. Man muss doch, wenn man sein Leben lang gearbeitet hat, mit dem Geld auskommen können, das man erarbeitet hat.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Nadja Tausche
Kommt aus:München
Politische Position:Versucht, alle politischen Richtungen zumindest neutral zu betrachten
Arbeitet für/als:Arbeitet als freie Journalistin unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, den Donaukurier und The Buzzard
Was Sie noch wissen sollten:Nadja Tausche hat im bayerischen Eichstätt und in Barcelona Journalistik studiert.
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