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Indien als lehrreiches Beispiel für Europas Umgang mit Muslimen?
Indien als lehrreiches Beispiel für Europas Umgang mit Muslimen?
( Link zum Originalbild | Urheber: Bishnu Sarangi | Pixabay | Pixabay Lizenz )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

es ist nicht nur eine deutsche Debatte: Die Frage, wie ein Neben- und Miteinander von Islam und „westlicher“ bzw. „christlich-abendländischer“ Kultur aussehen kann, wird in vielen Ländern Europas kontrovers diskutiert. Angetrieben wird diese Debatte nicht nur von zahlreichen rechtspopulistischen, oftmals islamfeindlichen Parteien in Europa, sondern auch durch die Prognosen, dass der Bevölkerungsanteil muslimischer Menschen in einigen Staaten in Zukunft deutlich ansteigen wird.

Auf der Suche nach Patentrezepten bietet sich natürlich der Versuch an, aus der Situation in anderen Regionen zu lernen. Selten wird dabei auf die Balkan-Länder geschaut, wesentlich häufiger hingegen auf die Türkei und deren Einfluss auf europäische Muslime.

Jörg Friedrichs, der als Politikwissenschaftler an der Universität Oxford tätig ist, rät hingegen dazu, eine ganz andere Nation in den Blick zu nehmen: Indien. Ein Zeugnis der muslimischen Geschichte des Subkontinents ist heute eines der bekanntesten Bauwerke der Welt: die im 17. Jahrhundert errichtete Grabmoschee Taj Mahal.

In einem Beitrag auf THE CONVERSATION, den wir heute empfehlen, sieht Friedrichs Indien als lehrreiches Beispiel dafür, wie das Zusammenleben einer nicht-muslimischen Bevölkerungsmehrheit und einer muslimischen Minderheit gelingen kann – oder eben auch nicht. Das Miteinander von Hindus und Muslimen in Indien, so skizziert Friedrichs, hat eine lange Geschichte – nicht immer eine friedliche, auch in jüngeren Vergangenheit gab es immer wieder Konflikte.

Zwei wesentliche Schlüsse zieht er aus seinen Forschungen: Die Mehrheitsbevölkerung in Europa sollte sich vor Überheblichkeit hüten und sich nicht selbst als Gralshüter von Demokratie und Menschenrechten sehen. Er warnt aber auch die Eliten in Europa davor, den Fehler der indischen National Congress Party zu begehen, einer religiösen Minderheit zu stark entgegen zu kommen und so die Mehrheitsbevölkerung (und nicht zuletzt die eigenen Wähler) zu verprellen. Friedrichs bleibt jedoch eine Idee schuldig, wie das politisch umgesetzt werden kann, ohne die Rechte von Minderheiten zugunsten der „besorgten“ Mehrheit zu übergehen.

 „Liberaldemokratische Europäer sollten Indien nicht so sehr als Vorbild, sondern eher als warnendes Beispiel sehen, aus dem sie lernen können.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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