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Wieso die Nachbarstaaten Mitschuld tragen an der Lage in Venezuela
Wieso die Nachbarstaaten Mitschuld tragen an der Lage in Venezuela
( Link zum Originalbild | Urheber: Milan Wulf | Pixabay | Pixabay Lizenz )

Das Argument in Kürze:

Die politische Entwicklung in Venezuela kann nicht losgelöst von den anderen Staaten in Lateinamerika betrachtet werden, meint Tom Long in einem Beitrag für THE CONVERSATION. Zu lange habe die Region Demokratie-Defizite in ihrer Mitte tatenlos mitangesehen. Nun wachse in einigen Ländern des Kontinents zwar die Unterstützung für Venezuelas Oppositionsführer Guaidó. Doch in Zukunft werde es in solchen Situationen nicht reichen, nur zu reagieren – präventive, multilaterale Maßnahmen seien nötig.

Falsche Zurückhaltung, eigene Defizite

Folgt man Tom Longs historischem Abriss, dann sind die Länder Lateinamerikas nie vollständig in der liberaldemokratischen Weltordnung angekommen. Besonders die letzten Jahre sieht Long durch Rückschritte geprägt. Neben Venezuela führt er Repressionen in Honduras oder Nicaragua als Beispiele an, ebenso den als Rechtspopulist geltenden Präsidenten Brasiliens, Jair Bolsonaro.

Die Antwort anderer Staaten auf Demokratie-Defizite bleibe oft aus, weil sie ihre eigenen (wirtschaftlichen) Interessen in den Vordergrund stellten und die innenpolitischen Probleme der Nachbarländer so lange wie möglich ignorierten. Und auch innerhalb der einzelnen Staaten sei das Bekenntnis der Eliten zu Demokratie und Rechtsstaat oft nur oberflächlich.

Für Tom Long zeigt das aktuelle Beispiel Venezuela: Es bedarf mehr regionaler Kooperation in Lateinamerika – er spricht von einer Art „kollektiver Verteidigung der Demokratie“. Hierfür gebe es durchaus historische Vorläufer, etwa multilaterale Anstrengungen gegen Regime, die die Menschenrechte missachten. Genau solche regionalen Initiativen brauche es zukünftig – und zwar präventiv statt bloß als Reaktion auf offen aufbrechende Staatskrisen wie in Venezuela.

„Trotz der derzeit wachsenden Unterstützung für Oppositionsführer Guaidó: Für ein Jahrzehnt haben die meisten lateinamerikanischen Nachbarstaaten den Verfall der Demokratie und der Wirtschaft in Venezuela stillschweigend hingenommen.“

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Frank Kaltofen

 

Tiefer eintauchen:

  • Den Einfluss Kubas auf die Situation in Venezuela beleuchtet die NEW YORK TIMES.
  • Welche Rolle sollte die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hinsichtlich Venezuela einnehmen? Auf keinen Fall sollte ein Regimewechsel vorangetrieben werden, argumentiert ein Beitrag auf der Plattform COMMON DREAMS.

Wer steckt dahinter?

Tom Long
Arbeitet für/als:Assistant Professor in New Rising World Powers, University of Warwick
Was Sie noch wissen sollten:Seine Forschungsschwerpunkte sind die Beziehungen zwischen den USA und Lateinamerika sowie die Rolle kleiner und mittelgroßer Staaten in der internationalen Politik. Long ist Autor des Buches „Latin America Confronts the United States: Asymmetry and Influence” (2015).
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