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Kein Bafög zu bekommen, kann Studierenden die Zukunft verderben
Kein Bafög zu bekommen, kann Studierenden die Zukunft verderben
( Link zum Originalbild | Urheber: Alexas_Fotos | Pixabay | Pixabay Lizenz )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

in einer demokratischen Gesellschaft ist Bildung ein wichtiges Gut. Dass jeder die gleiche Chance haben sollte, sich kostenlos zu bilden, darüber ist sich die deutsche Politik recht einig. Besonders erfolgreich bei der Umsetzung dieses Ziels sind wir trotzdem nicht. Seit Jahren zeigt der Pisa-Test immer wieder, dass die soziale Herkunft in Deutschland stärker über Bildungserfolg entscheidet als in vielen anderen Ländern. Um die Schere zwischen den sozialen Schichten in Sachen Bildung zu schließen, wurde 1971 das Bafög eingeführt. Es soll jenen Schülerinnen, Schülern und Studierenden Bildung ermöglichen, die sie sich sonst nicht leisten könnten.

Doch die Zahl der geförderten Schülerinnen, Schüler und Studierenden ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken – innerhalb von vier Jahren um knapp 180.000 Personen. Deswegen will die Bildungsministerin Anja Karliczek bald einen neuen Gesetzesentwurf auf den Weg bringen. Der soll zum einen den Bafögsatz erhöhen, zum anderen aber auch mehr Menschen ermöglichen, überhaupt Bafög zu empfangen. Das Gesetz will die Elternfreibeträge anheben und damit auch vielen Bafög zugestehen, deren Eltern bisher „zu viel“ verdient haben.

Doch es gibt auch Kritik an den Plänen der Bildungsministerin – vor allem von Seiten der Grünen. Die kritisieren, dass es nicht nur eine Erhöhung, sondern wichtige strukturelle Veränderungen beim Bafög bräuchte. Beispielsweise soll nach Meinung des Grünen-Bildungsexperten Kai Gehring das Bafög regelmäßig erhöht und so an steigende Preise angepasst werden.

Elternfreibeträge, Pisa-Test, Anpassung an steigende Preise – das Thema Bafög ist komplex. Welche Auswirkungen die Regelungen auf Betroffene haben, bleibt dabei meist verborgen. Dabei kann Bafög – oder das Fehlen davon – tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben einer Person haben. Ich weiß das, weil es mich selbst betrifft. Deswegen möchte ich heute ausnahmsweise einen Text von mir für ORANGE BY HANDELSBLATT selbst empfehlen. Denn ich bin mit meinem Problem nicht allein. Rund 123.000 Studierende in Deutschland haben das Problem, kein Bafög zu empfangen, aber auch nicht genügend finanzielle Unterstützung von den Eltern erhalten zu können. Das führt zu mehr Nebenjobs, schlechteren Noten, schlechteren Chancen auf Stipendien und Praktika – und letzten Endes auch schlechteren Berufsaussichten.

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Ich habe nachts in einer Druckerei riesige Papierstapel in die Druckmaschine gelegt, Bier ausgeschenkt, in Nobel-Restaurants Leute vom Klo zurück zu ihrem Tisch gebracht. Oft hatte ich sogar Spaß dabei. Und trotzdem, manchmal denke ich: Hätte ich nur ein bisschen weniger gearbeitet und ein bisschen mehr gelernt, dann hätte ich den Bachelor sicher besser abgeschlossen. Und damit bestimmt auch ein Stipendium abbekommen. Und hätte ich mir das Auslandspraktikum leisten können, hätte ich bestimmt schon eine Festanstellung.“

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Alisa Sonntag
Kommt aus:Ursprünglich aus dem Raum Chemnitz, aktuell in Leipzig.
Politische Position:Arbeitet bei THE BUZZARD, weil sie möglichst viele Menschen ermutigen möchte, die eigene Filterblase ab und an mal zu verlassen.
Arbeitet für/als:Studiert in Halle an der Saale "Multimedia und Autorschaft" und "International Area Studies" im Master. Arbeitet unter anderem für The Buzzard, die Mitteldeutsche Zeitung und die Freie Presse Chemnitz als freie Journalistin.
Was Sie noch wissen sollten:Hat ihr Bachelorstudium in Politik- und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

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