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Crowdfunding für alternative Krebstherapien nimmt zu
Crowdfunding für alternative Krebstherapien nimmt zu
( Link zum Originalbild | Urheber: _mequable | pixabay | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Menschen mit einer Krebsdiagnose suchen immer häufiger Heilung durch alternative Medizin, berichtet Nathaniel Tok in THE PEAK, der Studentenzeitung der kanadischen Simon Fraser University. Ein Forscher der Universität hatte gemeinsam mit einem Kollegen der University of Alberta im vergangenen Jahr Crowdfunding-Plattformen untersucht und allein auf der Seite gofundme 220 Kampagnen ausgemacht, mit deren Hilfe Menschen Geld für alternative Krebsbehandlungen sammeln. Die könnten den Patienten aber mehr schaden als nutzen, fürchten die Forscher.

Der Griff nach dem Strohhalm

Ergänzende und alternative Medizin, im Englischen „complementary and alternative medicine“ (kurz CAM), werde nur selten von Krankenkassen oder privaten Krankenversicherungen bezahlt. Immer mehr Menschen, so stellten die Forscher Jeremy Snyder und Timothy Caulfield in einer Untersuchung fest, versuchen daher über Crowdfunding-Plattformen Geld für ihre Behandlung zu sammeln.

Gefährlich werde das besonders bei Krebspatienten. Denn Aromatherapie, Kräuteranwendungen und ähnliche Methoden könnten die Wirkung erforschter und bewährter Krebsmedikamente einschränken.

Bei der Suche nach einer lebensrettenden Heilmethode greife ein großer Teil der Betroffenen auf meist fragwürdige Angebote zurück. Bis zu 50 Prozent aller Krebspatienten, so vermuten Snyder und Caulfield, haben sich auf ergänzende und alternative Medizin eingelassen.

Von Ergänzung bis zu radikaler Ablehnung der Schulmedizin

Die 220 untersuchten Kampagnen auf der Plattform GOFUNDME stammten hauptsächlich aus den USA. Aber auch Kanada, Großbritannien und Deutschland waren vertreten.

In 38 Prozent der Fälle handelte es sich um die Finanzierung von alternativen Behandlungen, um die herkömmliche Therapie zu ergänzen. Doch immerhin 31 Prozent der untersuchten Finanzierungen lehnten schulmedizinische Behandlungen komplett ab.

Der Antrieb vieler Initiatoren sei die eigene Krebserkrankung. Auch die Überzeugung, wissenschaftlich als wirksam bewiesene Behandlungen seien schädlich, spiele eine Rolle. Doch bis zu 28 Prozent der Patienten versterben noch während einer laufenden Kampagne, so die kanadischen Forscher. Der mögliche Schaden durch eine alternative Therapie ist für die Betroffenen sehr hoch, resümiert Snyder:

[…] diese CAM-Behandlungen können die Patienten in erheblicher Weise ihrer Zeit, Ersparnisse und anderer Ressourcen berauben. Sie lassen sie mit wenig Kraft zurück, um diese für ihre Liebsten oder andere Bestrebungen aufzubringen. Eventuell führen sie sogar zu einem schmerzhafteren Tod.“

 

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Patrick Ehrenberg

Weiterer Lesetipp von The Buzzard:

Auf POLICY OPTIONS nehmen die Forscher Jeremy Snyder und Timothy Caulfield selbst Stellung zu den Ergebnissen ihrer Untersuchung.

Wer steckt dahinter?

Nathaniel Tok
Kommt aus:Kanada
Arbeitet für/als:Autor
Was Sie noch wissen sollten:Redakteur bei der Studierendenzeitung der Simon Fraser University The Peak
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

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