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Warum bewusster Konsum die Welt nicht retten wird
Warum bewusster Konsum die Welt nicht retten wird
( Link zum Originalbild | Urheber: storebukkebruse | Flickr | CC BY 2.0 )

Guten Morgen,

Äpfel aus der Region, Ökostrom oder fair gehandelter Bio-Kaffee – immer mehr Menschen legen Wert darauf, was sie konsumieren und wollen damit dazu beitragen, den Klimawandel zu bekämpfen. Das bleibt nicht ohne Folgen. Immer mehr Anbieter springen auf den Zug mit auf und werben mit dem guten Gewissen: Die Drogeriekette Müller bietet ihren Kunden neuerdings neben Naturkosmetik und grüner LKW-Flotte sogar fair gehandelte Babykleidung und Fairtrade-Labels verschreiben sich dem Schutz der Würde von Kleinbauernfamilien und Plantagenarbeitern.

Viele Journalisten in Deutschland loben diesen Trend zum bewussten Konsum. Thomas Range schreibt beispielsweise jüngst für GEO Online, dass durch „strategischen Konsum“ die Anliegen der Ökobewegung endlich markttauglich würden. ZEIT-Journalist Sebastian Dalkowski fordert, den Konsumenten egoistische Entscheidungen schlicht zu verbieten. Anders sei die Welt ohnehin nicht mehr zu retten. Kurzum: Konsum soll das entscheidende Mittel sein, um den Klimawandel zu bekämpfen.

Wir empfehlen heute einen Text von André Rathfelder, der das für einen Trugschluss hält. Im TRANSFORM Magazin schreibt er: Bewusster Konsum reicht nicht aus. Vielmehr sei politischer Aktivismus gefragt. Die Faktoren, die eine umweltverträgliche Wirtschaftsweise verhinderten, seien nämlich struktureller Natur. Beispielhaft nennt er die Preisstruktur, die dem Vorhaben, nachhaltig einzukaufen, allzu oft ein rasches Ende bereite. Schließlich gelte in den meisten Fällen das Prinzip: „Gut“ ist teuer, „schlecht“ ist billig. Und wenn nachhaltiger Konsum ein Luxus ist, ist er nicht massentauglich. Ein weiteres Problem sei die Machtfrage. Unternehmen mit einer großen Marktkonzentration hätten oft wesentlichen Einfluss auf politische Entscheidungsfindung. Dies führe dazu, dass die Regeln, die ihnen bzgl. Schadstoffreduktion und Nachhaltigkeit vorgegeben würden, mehr an ihren eigenen Interessen als an Umweltfragen ausgerichtet seien. Gerade solche Konzerne, für die eine Nachhaltigkeitswende wenig verlockend ist, man denke etwa an die Automobilindustrie, stehen so einer ökologischen Neuausrichtung der Wirtschaft im Weg, meint Rathfelder.

Solange diese Strukturen sich nicht ändern könne es keinen ökologischen Lebensstil geben. Und Probleme, die auf der Ebene der Produktion liegen, könne man eben nur durch rechtliche und wirtschaftliche Reformen lösen. Wer also ernsthaft für eine nachhaltige Wirtschaftsordnung einstehen wolle, dürfe sich nicht auf eine kritische Konsumhaltung beschränken. Stattdessen fordert er: Wir müssen uns aktiv am politischen Diskurs um die Macht großer Konzerne beteiligen.

„Der Kauf einer Bio-Gurke ist eben noch kein ausreichendes Statement zum Machteinfluss großer Konzerne. Die Frage, ob diese systemischen Zwänge abgebaut werden oder nicht, wird im politischen Diskurs entschieden. Nur wenn ich mich daran beteilige, mache ich meine Meinung in diesen Fragen geltend.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Marlene Schlichtenhorst
Kommt aus:ursprünglich aus Bremen, aktuell in Leipzig
Politische Position:versteht sich als Feministin und arbeitet bei THE BUZZARD, weil sie Stimmen abseits medialer Leitbilder Gehör verschaffen möchte
Arbeitet für/als:Studentin der Ethnologie an der Universität Leipzig
Was Sie noch wissen sollten:Hat außerdem Erfahrungen im Hörfunk und in der Dokumentarfilmproduktion gesammelt
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