Zurück zur Übersicht
Es ist ein Mythos, dass hohe Steuern der Wirtschaft schaden
Es ist ein Mythos, dass hohe Steuern der Wirtschaft schaden
( Link zum Originalbild | Urheber: Nattanan Kanchanaprat | Pixabay | CC 0 1.0 Public Domain )

Das Argument in Kürze

In seiner aktuellen Form entlastet der Solidaritätszuschlag Geringverdiener. Für Spitzenverdiener bedeutet er Mehrkosten. Viele denken, das schade der Wirtschaft. Die Volkswirtschaftler Sarah Godar und Prof. Dr. Hagen Krämer widersprechen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Veränderungen des Spitzensteuersatzes überhaupt Einfluss auf das Wirtschaftswachstum hätten.

Wirtschaftswachstum bringt nicht allen gleich viel

Seit der Finanzkrise haben viele westliche Industrieländer den Steuersatz für Vielverdiener erstmals seit langer Zeit wieder angehoben. Das gilt unter anderem für die USA, Frankreich und Italien. Auch in Deutschland wird das Thema wieder und wieder diskutiert.

Die Argumentation vieler Gegner dabei: Spitzenverdiener höher zu besteuern, so, wie es der Solidaritätszuschlag aktuell tut, würgt die wirtschaftliche Entwicklung ab. Denn wenn es auf hohes Gehalt hohe Steuern gibt, lohnt es sich weniger, viel zu verdienen.

Dabei, kritisieren Godar und Krämer, werden zwei Dinge häufig vergessen:

  1. Wirtschaftswachstum ist nicht automatisch für alle positiv.
  2. Höhere Steuereinnahmen können die Wirtschaft auch ankurbeln.

Außerdem geht man davon aus, dass Spitzenverdiener als Reaktion auf Steuererhöhungen ihre Arbeitszeit reduzieren würden. Studien beweisen aber laut den Wirtschaftswissenschaftlern, dass das nur in äußerst geringem Umfang der Fall ist. Auch die Arbeitsanstrengungen der Spitzenverdiener würden, argumentieren Godar und Krämer, wahrscheinlich nicht zurückgehen.

Kein Einfluss auf das Wirtschaftswachstum?

Ein anderes Argument, das man oft hört, ist, dass Spitzenverdiener ihren Wohnsitz aufgrund von Steuererhöhungen in ein anderes Land legen würden. Auch das bestätigen die Wissenschaftler nicht.

Studien aus den USA legen nahe, dass Faktoren wie der Arbeitsplatz und ein familienfreundliches Umfeld viel entscheidender für die Wahl des Wohnortes sind. Wahrscheinlich, argumentieren die beiden Wissenschaftler, hätte eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes auch kaum Auswirkungen auf die Investitionen von Unternehmen. Auf internationaler Ebene gebe es ohnehin keine Hinweise darauf, dass Änderungen des  Spitzensteuersatzes, die der Soli defacto verursachen würde, überhaupt Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben.

“Insgesamt erweisen sich Behauptungen bezüglich der von einem höheren Spitzensteuersatz ausgehenden negativen ökonomischen Effekte als wenig stichhaltig. Dies gilt vor allem vor dem Hintergrund der Tatsache, dass sich die Besteuerung von Spitzeneinkommen in den reichen Industrienationen historisch eher uneinheitlich entwickelt hat und sich dies nicht in entsprechend unterschiedlichen Wachstumspfaden niedergeschlagen hat.”

Der Beitrag wird empfohlen von: Alisa Sonntag

Wer steckt dahinter?

Sarah Godar und Prof. Dr. Hagen Krämer
Kommt aus:Bodar lebt in Berlin und Krämer in Karlsruhe.
Politische Position:Sarah Godar setzt sich in ihren Texten für Steuergerechtigkeit ein. Hagen Krämer engagiert sich bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, die der SPD nahesteht, und ist Gründungsmitglied der Keynes-Gesellschaft, die Lehren des Ökonomen John Maynard Keynes bekannter machen will. Keynes' Theorie widerspricht dem Paradigma, dass der Markt sich selbst regelt und wird an vielen Hochschule in Deutschland nur am Rande gelehrt.
Arbeitet für/als:Sarah Godar ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Master-Studentin an der HWR Berlin, Hagen Krämer ist Professor für Volkswirtschaft an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft.
Was Sie noch wissen sollten:Godar hat unter anderem für den OXIBLOG und den BLOG STEUERGERECHTIGKEIT geschrieben. Krämer hat in verschiedenen Positionen bei der Daimler-Benz AG gearbeitet, aktuell arbeitet er an einer Analyse zur Einkommensverteilung in Deutschland.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.