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Reiche würden sich über die Soli-Abschaffung freuen – aber der Wirtschaft hilft sie nicht
Reiche würden sich über die Soli-Abschaffung freuen – aber der Wirtschaft hilft sie nicht
( Link zum Originalbild | Urheber: Freestocks | Unsplash | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze: 

Infolge des drohenden wirtschaftlichen Abschwungs fordern viele Ökonomen und Politiker, dass der Solidaritätszuschlag abgeschafft wird und die Steuern für Unternehmen gesenkt werden. Der Journalist Thomas Fricke hält das für absoluten Unsinn. Auf SPIEGEL ONLINE zeigt er anhand ironischer Beispiele, warum eine Soli-Abschaffung der Wirtschaft nicht helfen würde und vor allem ein Geschenk an Superreiche sei.

Von der Soli-Abschaffung profitieren nur Wenige

Fricke erklärt, dass Steuersenkungen einem wirtschaftlichen Abschwung nur dann entgegen wirken könnten, wenn die Menschen in Folge erheblich mehr Geld ausgeben. Im Fall des Solis sei das aus drei Gründen unwahrscheinlich:

  1. Von der Abschaffung des Solis würde nur etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung überhaupt etwas mitbekommen: Singles ohne Kinder zahlen den Zuschlag erst ab jährlich 16.000 Euro brutto, eine Familie mit zwei Kindern sogar erst ab 60.000 Euro.
  2. Die Hälfte des Soli-Aufkommens stammt von den oberen zehn Prozent der Reichen im Land. Reiche würden zusätzliches Geld allerdings eher sparen anstatt es auszugeben.
  3. Allerdings zahlen auch manche Unternehmen den Solidaritätszuschlag und könnten im Fall einer Abschaffung mehr investieren. Fricke meint aber, dass auch das eher unwahrscheinlich ist: Die Praxis habe gezeigt, dass der Wille von Unternehmen zu investieren nicht davon abhängt, wieviel Geld sie zur Verfügung haben. In den vergangenen Jahren habe die Wirtschaft noch nie so viel Gewinn gemacht, trotzdem sei wenig investiert worden.

„So eine Steuer zu senken, ist im Kampf gegen einen gesamtwirtschaftlichen Abschwung also nicht sehr viel effizienter als, sagen wir, das Geld auf die uns abgewandte Seite des Monds zu schießen.“

Der Beitrag wird empfohlen von: Stephanie Berens

Tiefer eintauchen:

  • Dieser Beitrag von Christina Deckwirth auf LOBBY CONTROL zeigt, wie sehr Arbeitgeber-Lobbyverbände versuchen, Politiker zu beeinflussen, damit der Soli abgeschafft wird.
  • Dieser Beitrag auf ATTAC vertieft das Argument, dass die Soli-Abschaffung vor allem den Reichen zugute kommen würde.

Wer steckt dahinter?

Thomas Fricke
Kommt aus:Deutschland
Arbeitet für/als:Wirtschaftsjournalist
Was Sie noch wissen sollten:Fricke ist seit 2013 Chefökonom der European Climate Foundation und leitet das Portal „Wirtschaftswunder“. Zuvor arbeitete er für die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND und veröffentlichte ein Buch mit dem Titel „Wieviel Bank braucht der Mensch?“. Fricke schreibt regelmäßig Kommentare für SPIEGEL ONLINE.
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